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Robert Forster: The Evangelist (Tuition / Edel)
Als Grant McLennan von den Go-Betweens vor zwei Jahren viel zu früh starb, konnte das kaum jemanden härter treffen als Robert Forster, den Busenfreund, mit dem er sich seine eskapistische Parallelwelt eines glamourösen Bohemien-Ideals aufgebaut hatte. Wie Forster selbst in seinem Nachruf schrieb, waren er und McLennan schon „Truffaut und Godard“, lange bevor sie 1977 im australischen Brisbane ihre gemeinsame Band gründeten und sich zu einem der bedeutendsten Songwriter - Gespanne der letzten drei Jahrzehnte entwickelten.
„The Evangelist“ ist zwar keineswegs Robert Forsters erstes Solo-Album, aber sein erstes, bei dem er auf sich allein gestellt ist. Fast jeder Song dieses klingenden Partezettels (und die anderen Nummern, wie etwa das fantastisch dylaneske „Don’t Touch Anything“, wollen wir hier nicht übersehen) enthält eindeutige Referenzen an seinen persönlichen Verlust.
So hoffnungs- und aussichtlos diese Prämisse klingt, so tröstlich warm glüht „The Evangelist“ in seinem Kern. Das liegt ebenso an der ungezierten, bei der ersten Begegnung manchmal fast banal erscheinenden, im Endeffekt aber umso treffsicheren Schlichtheit von Forsters Melodien wie an der natürlichen Würde seines lakonischen Gesangs und der unauffälligen Präsenz von Drummer Glenn Thompson, Bassistin Adele Pickvance und den Arrangements von Audrey Riley, die schon in den 80ern die Streicher-Parts zum Go-Betweens-Klassiker „Liberty Belle and the Black Diamond Express“ beisteuerte.
Ganz zu Beginn des Albums hört man ein leises Klicken, das Einschalten eines billigen Casio-Keyboards, das Produzent Mark Wallis vor langer Zeit einmal seiner kleinen Tochter gekauft hat. Der sphärische Akkord, den Forster anschlägt, setzt bewusst dort an, wo das letzte Go-Betweens-Album „Oceans Apart“ mit „Mountains Near Dellray“ ausgeklungen war.
So hoffnungslos diese Prämisse klingt, so tröstlich warm glüht „The Evangelist“ in seinem Kern.
„We won’t see his kind again anymore“, singt Forster in „It Ain’t Easy“, einem von drei Melodie- und (auf wenige Zeilen beschränkten) Text-Fragmenten aus McLennans Nachlass, deren Fertigstellung er zu seiner Trauerarbeit gemacht hat. „I write these words to his tune“, heißt es sachlich und direkt in einer der Strophen, ein kleiner Tribut an seinen Freund, der in seinen Melodien immer eine etwas leichtere Hand führte. Doch der Hinterbliebene dieser bedeutenden Partnerschaft scheut auch nicht vor ganz großen Worten zurück, während er in den Kleidern und Büchern seines Freundes stöbert: „I hope I get it right as I go on / As I move on / It’s strong / Yes yes yes / What we made / For a thousand years it will not fade / No no no. “ Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln.