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The Rolling Stones: Fluch der Rock-Mumien
Was eine Christina Aguilera, ein Bill Clinton, ja sogar ein wie ein Hutschpferd grinsender Jack White wirklich zur Erhellung des 46 - jährigen Phänomens Rolling Stones beizutragen haben, muss – bei allem Respekt vor der sauberen Arbeit ihrer PR - Agenten – fraglich bleiben. Mit dem Gastauftritt der Blues - Legende Buddy Guy gelang Martin Scorsese aber eine Geste, die mehr sagt als ein ganzes Manuskript erklärender Kommentare aus dem Off.
1965 fuhren die jungen britischen Blues-Enthusiasten Mick Jagger, Keith Richards, Brian Jones, Charlie Watts, der zehn Jahre ältere Bill Wyman und ihr (von Manager Andrew Loog Oldham wegen seines unvorteilhaften Aussehens aus dem offiziellen Band-Line-up verbannter) Pianist Ian Stewart 1965 nach Chicago, um im Studio des einflussreichen Labels Chess Records ihre Single „Satisfaction“ aufzunehmen. Neben Muddy Waters und Willie Dixon war Buddy Guy einer der Blues-Helden, von denen sie sich dort ihre musikalische Muttermilch holten. Als Zeichen seiner Dankbarkeit schenkte Keith Richards dem heuer 70-Jährigen bei den Dreharbeiten eine seiner Lieblingsgitarren.
Aber „Shine a Light“ hat noch andere Außergewöhnlichkeiten zu bieten: „Das ist Martys erster Film ohne ‚Gimme Shelter’ im Soundtrack“, scherzte Mick Jagger bei der gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin, und erinnerte damit wohl unbewusst an einen anderen, historischen Stones-Film.
„Gimme Shelter“ von den legendären Maysles Brothers (Albert Maysles war übrigens auch bei „Shine a Light“ an der Kamera) dokumentierte die Vorgänge rund um ein 1969 von den Stones organisiertes Gratiskonzert im kalifornischen Altamont, bei dem die Rockerbande Hell’s Angels den Ordnerdienst versah. Die Biker schlugen das Publikum mit Billard-Queues und erstachen schließlich vor den Augen der Band den 18-jährigen Zuschauer Meredith Hunter, der im Getümmel eine Pistole gezogen hatte. Die filmische Verewigung dieses Zwischenfalls zementierte die symbolische Bedeutung von Altamont als blutiges Ende des Hippie-Traums und – auf makabre Weise – auch den „gefährlichen“ Ruf der Stones.
Im selben Jahr waren sie bei einem anderen, ebenfalls von einem Todesfall überschatteten Gratiskonzert aufgetreten. Wenige Tage vor ihrem im Film „Stones in the Park“ dokumentierten Gig im Londoner Hyde Park war Gitarrist und Bandgründer Brian Jones tot aufgefunden worden. Jones’ hatte seinen letzten öffentlichen Auftritt 1968 für ein weiteres Konzertfilm-Projekt namens „The Rolling Stones Rock and Roll Circus“ gespielt, aber Mick Jagger war mit der Darbietung seiner Truppe derart unzufrieden, dass die in einem Zirkuszelt gedrehte All-Star-Show bis zu ihrer DVD-Veröffentlichung 1996 unter Verschluss blieb. (Der 1972 von Robert Frank gedrehte Tourneefilm „Cocksucker Blues“ ist wegen seiner berüchtigten Sex- und Drogenszenen bis heute nur als Bootleg zu kriegen.)