|
|
||
|
|
|
WERBUNG Online-Games |
Deus: Der Kopf des Architekten
Die Aufnahmen zu „Pocket Revolution“ aus dem Jahr 2005 waren ein Krampf. Von 2000 bis 2004 hatten sich Deus eine großzügige Auszeit genommen, um sich anderen Projekten zu widmen. Bassist Danny Mommens etwa beschäftigte sich ausgiebig mit seiner Zweitband Vive la fête, und Sänger Tom Barman veröffentlichte seinen ersten Spielfilm „Any Way the Wind Blows“. Als man sich wieder im Studio traf, um an neuen Songs zu werken, wurde schnell klar, dass einzelne Bandmitglieder nicht mehr miteinander konnten: Streitereien, ausgehend von diversen Ego-Problemen, standen auf der Tagesordnung. Schließlich verließen Mommens und Gitarrist Craig Ward die Band und wurden von Alan Gevaert und Mauro Pawlowski ersetzt.
Rückblickend betrachtet, ist „Pocket Revolution“ für Tom Barman „ein wichtiges Album, aufgrund der schlichten Tatsache, dass wir es überhaupt zu Ende gebracht haben.“ Bei „Vantage Point“, der neuen Platte, war alles einfacher, innerhalb von acht Wochen waren die zehn Songs im Kasten. Über die Hintergründe gibt sich Barman im Interview äußerst auskunftsbereit und erweist sich als dankbarer Gesprächspartner: Man muss ihm bloß Stichworte liefern, und die Worte sprudeln nur so aus ihm heraus.
Auf dem neuen Album sind ja wieder verschiedene Gäste vertreten ...
Ja, wieder. Danke, dass du das bemerkt hast. Einige Leute sind ja ganz überrascht, weil sie denken, dass das das erste Mal so sei. Dabei wirkte ja beispielsweise Scott McCloud von Girls against Boys auf „In a Bar under the Sea“ (1996, Anm.) mit, und auf dem letzten Album hatten wir auch Gastsängerinnen.
Die prominentesten Gäste sind diesmal Karin Dreijer Andersson von The Knife und Guy Garvey von Elbow.
Garvey ist ein Trinkkumpan von uns. Jedes Mal, wenn wir in Manchester gespielt haben, ist er mit der ganzen Band aufgetaucht, und dann sind wir ins Big Hands trinken gegangen. Es gibt einige Songs, die ich wirklich mag, bei denen zwei Sänger den ganzen Song gemeinsam singen, nicht nur zweite Stimme. Ein schönes Beispiel ist „The Messenger“ von Daniel Lanois (singt): „Got a letter from a messenger.“ Oder Mark Lanegan gemeinsam mit PJ Harvey bei „The City“. Mit dieser Idee im Hinterkopf hab ich Guy angerufen. Das war wirklich in letzter Minute, am Mittwoch, und am Freitag haben wir die Aufnahmen beendet. Und er hat gesagt: „Ich habe keine Zeit, ich arbeite mit Massive Attack im Studio.“ Im letzten Augenblick, Donnerstagnacht, hat er dann angerufen: Er hätte am nächsten Tag drei Stunden Zeit und könnte seinen Part aufnehmen. Das hat er auch getan und das Material dann am Freitag geschickt. Am Abend desselben Tages war unsere Platte fertig. Ähnlich spontan war das mit Karin. Ich habe ihr einfach eine Mail geschrieben, weil sie über uns in einem Interview gesprochen hatte und ich The Knife mag. Und sie hat geantwortet, dass sie Deus in den 90ern gesehen habe und ich ihr den Track schicken solle. Sie mochte ihn, kam nach Brüssel und sang ihren Teil in 20 Minuten ein.