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Entgrenzt
T is for Texas. Da liegt was in der Luft. Zum Beispiel Musik. Nicht nur beim Musik-
messen - Auftrieb South by Southwest in Austin. Als würden die guten Menschen dort als Ausgleich zu reaktionären, mörderischen Sturschädeln, die ihr Bundesstaat der Welt zumutet, signalisieren: Wir können auch anders!
Wirklich anders. Wie die Sixties - Größe 13th Floor Elevators mit dem durchgeknallten Roky Erickson, die US-Punk-Pioniere Big Boys oder die Dicks mit Gottes bzw. Buddhas Stimme Gary Floyd. Oder US-Post-Punk/Indie-Ikone David Yow (Scratch Acid, The Jesus Lizard, Qui). Da geht was, in Austin! Die grundsätzlich enthemmten Butthole Surfers nicht zu vergessen. Und Mayo Thompson (The Red Krayola) ist auch Texaner.
Ein fiktiver Referenz-Stammbaum gegen den …And You Will Know Us by the Trail of Dead wohl keinen Widerspruch anmelden würden. Schließlich erschien ihr erstes Album 1998 bei Trance Syndicate, dem Label von Butthole-Surfers-Drummer King Coffey. Ein Label-Kollege: Roky Erickson. Dabei haben es die kurz Trail of Dead gerufenen sechs ernsten jungen Männer um Conrad Keely ja nicht so mit Kreisen, die sich schließen. Oder mit den Eindeutigkeiten des Musikgeschäfts. Ihre MySpace - Seite bietet als Beschreibung ihres Sounds „Christian Rap“ und „Black Metal“ an. Wobei: Wenn wer diese Extreme (?) zusammenbringen kann, dann Trail of Dead.
Ihre Musik ist jedenfalls große Klasse. Was das Hören ihrer Interscope-Alben – aktuell hat sich die Band vom Major verabschiedet – „Source Tags & Codes“ (2002), „Worlds Apart“ (2005) und „So Divided“ (2006) zum entdeckungsreichen Genuss macht. Prog-Punk? Art-Core? Fuck it, great music! Eine Musik, die die Band mit Nachdruck und entgrenzten Performances auf die Bühnen bringt. Nicht nur mithilfe zweier Drummer mit sympathischem Hang zu ausgeprägter Lautstärke.
Eine Wohltat in einer Zeit, in der Musik oft nur mehr davon handelt, nichts und niemandem (am allerwenigsten sich selbst) weh zu tun. Ein Glück, dass die fellow texans von Explosions in the Sky sie zum von ihnen kuratierten Festival All Tomorow’s Parties nach Großbritannien eingeladen haben und sie noch ein paar Gigs anhängen, gleich drei davon im Land mit dem A. Tu felix Austria – ausnahmsweise wirklich.