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Scarlett Johansson: Mit rauer Raspelstimme
Vor dem geistigen Auge entfaltet sich das vorliegende Projekt zunächst wie ein Traum aus der Promotion-Abteilung, ein Konstrukt, erdacht und plangenau ausformuliert in den Großraumbüros finsterer Marktabschöpfer: Die Schauspielerin Scarlett Johansson produziert gemeinsam mit dem schon mehr als aufstrebenden David Sitek ein Album mit Coverversionen von Songs von Tom Waits, der gute David Bowie scharrt an der Studiotür und wartet auf seinen Einsatz.
Die Scarlett Johansson, die schon im Teenageralter als Pferdeflüsterin bekannt wurde, um in Folge in Filmen wie „Ghost World“ und – natürlich – „Lost in Translation“ der halben Welt den Kopf zu verdrehen. Johansson, die mittlerweile, wenn irgendwo von irgendwelchen Herrenmagazinen die erotischste Frau des Jahres ermittelt werden will, mit Regelmäßigkeit in die Spitzenpositionen gewählt wird und durch enorme Bandbreite auf der Leinwand und stilvollen Männerverschleiß auffällt. Bekannt aus Boulevard und Lieblings-Tabloid. Gerne wird in solchen Fällen der Vorwurf des Kalküls aus der Kiste geholt. Der übellaunige Zynismus soll bitte bis auf weiteres auf der Reservebank bleiben, lebt doch großartig gelungene Popmusik häufig nicht zuletzt von ihrer Inszenierung, von der Pose, von ihrer Gemachtheit. Der Entstehungsprozess von „Anywhere I Lay My Head“ versprüht dabei vergleichsweise die Aura relativer Authentizität: Für eine Compilation zugunsten der Greenpeace nahe stehenden Organisation Music Matters, die sich für die Natur und den Planeten nicht ganz so belastende Praktiken im Musik-Business einsetzt, hatte Scarlett Johansson eine Coverversion von George Gershwins Standard „Summertime“ eingespielt, die Stimme war da, die medienwirksame Präsenz sowieso, schnell war also die Idee zu einem ganzen Album geboren. Relativ zwanglos und ausdrücklich in Johanssons Vorlieben wurzelnd.
Nach einigem Hin und Her entschließt sie sich also zur Huldigung eines ihrer Lieblingskünstler: Tom Waits. Vor solch mächtiger, bedeutungsgeladener Persönlichkeit muss freilich zunächst Wind aus den Segeln der Erwartungshaltungen genommen werden. Johansson weiß, dass sie Waits unmöglich verkörpern kann. Einem wie Waits, dem guten alten, whisky-getränkten Reibeisen, dem immer leicht gebückt wirkenden Typen mit Hut und schäbigem Anzug, der in seiner Personalunion aus großem Songwriter und Musiker, linkischem Schauspieler, Trinker, Beat-Poeten und ausgestelltem, sympathischen Sonderling längst zu einer der Ikonen einer geprügelten Boheme geworden ist, will mit gebührendem Respekt gegenüber getreten werden.