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Booka Shade: Gebärdensprache in Cinemascope
Es gibt ihn wieder: einen elektronischen Mainstream, der vom Club-Keller über Werbespots bis hin zur Festivalbühne praktisch rund um den Globus konsensfähig ist. Verantwortlich dafür sind nicht zuletzt zwei Herren aus Berlin, die im Laufe ihrer Karriere mit allen Pop-Wässerchen gewaschen wurden. "Barbie Girl", No Angels, Culture Beat, "Big Brother" – Walter Merziger und Arno Kammermeier hatten als Hit-Produzenten überall ihre Finger im Spiel. Es war wie ein Fluch: Was die beiden anfassten, wurde zu Gold, machte sie auf Dauer aber nicht glücklich.
House und Electro in glamouröser Abendrobe
Vor ein paar Jahren reichte es Merziger und Kammermeier dann mit dem Goldene - Schallplatten - Sammeln und der Fremdbestimmung. Sie erfanden Booka Shade und gründeten gemeinsam mit ihren Freunden DJ T. und M.A.N.D.Y. das Label Get Physical. Gemeinsam steckte man House- und Electro-Grooves in glamouröse Abendrobe und schickte sie auf Beutezug in die große weite Pop-Welt. Heute ist Get Physical eines der tonangebenden Dance-Labels, Booka Shade füllen weltweit Konzerthallen und spielen auf großen Festivals. Der Erfolg der beiden scheint sich also fortzusetzen – mit dem Unterschied, dass Merziger und Kammermeier richtig zufrieden wirken, als sie anlässlich des dritten Booka-Shade-Albums zum Gespräch in ihr Studio laden.
"Bei uns ist es immer schwierig zu sagen, was das denn überhaupt ist", erzählt Walter Merziger nicht ohne Stolz über den vielfältigen Sound von Booka Shade. "Eine gute Ausgangsposition – wir sagen einfach: Wir machen elektronische Musik!" Tatsächlich wurde der Wortschatz ihrer Gebärdensprache von Album zu Album erweitert. Vom eindeutig für die Tanzbeine gedachten Hit "Body Language" (2005) machen Booka Shade nun den nächsten Schritt hin zu einer Ausdrucksform für den ganzen Körper: Zu "The Sun & The Neon Light" darf nicht mehr nur untenrum gewackelt, sondern auch mitgesungen, mit Feuerzeugen geschwenkt und sogar ein klein wenig geweint werden. "Das ist auf jeden Fall ein Gemischtwarenhandel", bestätigt Merziger. Allerdings eher einer der Kategorie Meinl am Graben als Tante Emma: penibel aufgeräumt, mit edelster Sound-Ware in weitläufigen Regalreihen.