|
|
||
Frequency Festival: Frische Hoffnungsträger und Elder Statesmen
Die mehr oder minder »sensationellen« Comebacks – etwa Rage Against The Machine oder The Verve – gab’s in geballter Form beim Nova Rock zu bewundern, das tendenziell etwas mehr Richtung Indie programmierte Frequency setzt heuer auf ein durchgehend qualitativ dichtes Programm. Was große Namen natürlich nicht ausschließt. So kann man etwa auf der Race Stage vortrefflich Vergleiche zwischen US-amerikanischem Spitzen-Entertainment einer Band wie R.E.M. und den deutschen Reim-Millionären und Mainstream-HipHop-Protagonisten Die Fantastischen Vier ziehen.
Michael Stipe & Co begehen dabei heuer ihr 30-jähriges Band-Jubiläum, ihr jüngstes, 14. Album »Accelerate« zeigt sie nicht nur von der knappen Spielzeit her überraschend schlank. Thomas D, Smudo, Michi Beck und And.Ypsilon wiederum blicken erst auf 22 Dienstjahre zurück, die Tour zu ihrem 2007 erschienenen Album »Fornika« führte sie unter anderem nach London, Paris und Minsk – ihr deutschsprachiger HipHop reüissiert also auch international. Bei einem Festival wie diesem sollten derartige Entertainment-Routiniers mühelos Hände und Stimmung in die Höhe kriegen!
Transatlantisches Pingpong gefällig? Nicht nur dank der heuer erstmals bespielten »Weekender UK Stage« kann man sich einen Überblick über den State of the Art der Gitarrenmusik auf der Insel und jener in den von der bevorstehenden Präsidenten-Wahl geprägten USA verschaffen. Dabei kommt es zu Auftritten frischer Hoffnungsträger wie der tollen Indelicates, der hoch-energetischen Eight Legs und des herrlichen Lightspeed Champion. Dagegen halten Elder Statesmen wie The Killers, die vielleicht endlich einmal der Qualität ihrer Studio-Outputs mit einem überzeugenden Live-Set gerecht werden, die Dresden Dolls oder die ebenso humorvollen wie cleveren We Are Scientists. In die punkigere Kerbe schlagen Alkaline Trio, die Party-Kanonen von den Dropkick Murphys sowie Flogging Molly, die ihren Sound mit Irish-Folk-Elementen versetzen.
Auch auf das Erscheinen oder Nicht-Erscheinen von Pete Doherty kann man beim heurigen Frequency wetten – in Wien ja zuletzt ein populäres Spiel. Sollte es Pete mit seinen Babyshambles tatsächlich in die Jochen-Rindt-Straße schaffen, bleibt zu hoffen, dass sich im Backstage-Bereich vielleicht ein sittlich gefestigterer Kollege findet – eventuell ja Tricky, dessen Rückkehr zu den Highlights auf der Green Stage gehört, oder Samuel Beam von Iron & Wine oder gar der gute Stipe? –, der den verwirrten Pete ein wenig aufklärt, von wegen Talent und Leben verschwenden. In diesem Zusammenhang aber bloß von Adam Green fernhalten! Und wie friktionsfrei ein Treffen mit Ex-Libertines-Kumpel Carl Barât, der mit seinen Dirty Pretty Things aufrockt, ausgehen könnte, weiß man auch nicht so genau.
Das Match Deutschland gegen Österreich geht beim Frequency wie im Fußball zugunsten der deutschen Nachbarn aus, schon allein auf Grund der numerischen Überlegenheit (Blackmail, Get Well Soon, Madsen, Slut etc. vs. Jesus Christ Smokes Holy Gasoline und Julia), aber vielleicht verheißen ja diverse heimische Talente auf der »Open Stage« eine goldene Pop-Zukunft für das Land mit dem A.