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CSS: Narrengold aus dem Kaugummiautomaten
Trendspotting und Hipster-Alarm! Da war doch was: Fünf knallbunt gewandete junge Damen aus Brasilien, allesamt irgendwie ein bisschen was mit Kunst, Mode oder Design am Hut, und der Multiinstrumentalist Adriano Cintra gründen 2003 eine Band. Übersetzen einen Ausspruch Beyoncés, demzufolge sie keinen Bock mehr habe, ständig sexy sein zu müssen, ins Portugiesische und nennen sich Cansei de Ser Sexy. Sängerin Lovefoxxx stiehlt im grellen Catsuit allen die Show.
Mit rudimentären Kenntnissen an den Instrumenten und Texten über Sex, Popkultur, Paris Hilton, Party, Sex und Sex wird ein Debütalbum wie ein kurzlebiger, dabei umso heftigerer Urlaubsflirt zusammengeschustert. Ein Debütalbum, das weltweit bei seinem Aufschlagen in den Indie-Discos für Erschütterung sorgen sollte. Zu viel Ironie für ein One-Hit-Wonder?
Den zugespitzten Erwartungen begegnen CSS – nunmehr zum Quintett geschrumpft – relativ indifferent. Einfach mal schnell das zweite Album nachlegen, so schwierig, muss sich das gar nicht gestalten. Also schließt sich die Band 2007 im Studio in São Paulo ein und rockt ein Dutzend Songs aus den Instrumenten – die beherrscht man ja mittlerweile auch schon einen Tick besser. Produziert wird die ganze Angelegenheit von Adriano Cintra höchstselbst, in Los Angeles besorgt Mark Stent den finalen Mix. Obwohl der Mann schon eine Zusammenarbeit mit Größen wie Madonna und U2 im Lebenslauf stehen hat, ist "Donkey" nicht das aufgeblasene Zweitlingswerk hoffnungsvoller Debütanten geworden, nein, kristalline Reduktion und Raw Power sind die Keywords.
Elf Songs, wie beiläufig in die Ecke geschmissenes Narrengold, elf Schätze aus dem Kaugummiautomaten. "Donkey", eine glänzende Blase Bubblegum. Während das Debütalbum noch zu großen Teilen auf die Kraft billig zwitschernder Synthesizer vertraute, werden nun verstärkt die Gitarren bearbeitet. Waren die vor zwei Jahren beschworenen Referenzpunkte im Universum der Band noch Tom Tom Club und Weißbrot-Funk, der Synthie-Pop von Human League, der quengelige Post-Punk der kurzlebigen Delta 5 und ein artschooliger Stil-Fleischwolf im Geiste Blondies, so wird heute deutlicher an gitarreninfiziertem Power-Pop der frühen 90er angeknüpft. Man denke nur an die Großtaten, die Bands wie Elastica oder The Breeders seinerzeit mit unterkühlter Verve in die Welt schossen.