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Yo! Majesty: Rap the pain away!
Halleluja, ich sage euch, die Erlösung ist nah. Sehet das Fleisch gewordene Gegenteil eines jeden Hip Hop-Klischees! Booty Bass auf Punk. Ragga - Riddims und Funk. Oldschool - Electro trifft Crunk. Und dazwischen Ärsche, Pussys, der Herr und zwei wohlgerundete Frauen, die Frauen lieben. Pardon, ich vergesse mich. Aber der unheilige Geist kann schnell mal mit einem durchgehen, wenn gerade ein Sermon von Yo! Majesty aus den Boxen dröhnt. Denn die sind eine Bombe. Seit Beth Ditto ward keine derart geballte Frauenpower mehr auf einer Bühne gesehen – und das gleich im Doppel. Shunda K und Jwl B gelten nicht umsonst als die Rettung des Rap.
Mit ihren ziemlich expliziten Heilsbotschaften ("Booty Klap", "Kryptonite Pussy") sind die beiden in den letzten Jahren bereits mit Gossip und CSS auf Tour gewesen und haben mit dem Go! Team und Basement Jaxx zusammengearbeitet. Nach der Verpflichtung der brasilianischen Arschwackel-Chaoten Bonde do Rolê hat das Label Domino nun auch bei Yo! Majesty angebissen. Das Singen und Predigen haben Shunda K und Jwl B in den Kirchen von Tampa gelernt, der so genannten "Cigar City" in Florida, die bisher eher für Death Metal und Südstaaten-Rap bekannt war. Also für recht testosterongesättigte Veranstaltungen, in denen Frauen bloß als leicht beschürzte Dekoration ihren Platz am Rande einzunehmen hatten.
Shunda K und Jwl B räumen damit nun auf. Gründlich. Der typische Crunk-Sound, Bling-Bling und dicke Hose – all das ist auf den ersten Blick das genaue Gegenteil von Yo! Majesty. Doch die halten sich gar nicht lange damit auf, dem chauvinistischen Hip Hop - Patriarchat den Kampf anzusagen. Sie legen einfach los mit ihrem Riot Rap. Ach - so - sexy R'n'B - Gejauchze im Röckchen der Selbstdisziplinierung ist hier nicht zu haben.
Dafür Gott, Gospel und Größenwahn mit ordentlich gender politics auf den Rippen. "Ich liebe den Herrn", erzählt Jwl B im Interview, "ich habe ihn immer geliebt. Aber bei allem, was in mir war – meine Vorlieben, mein Glaube, wie ich zu einer lesbischen Frau geworden bin –, habe ich mich an der Musik festgehalten. Musik war mein Ausweg aus allem Leid." Und diese Musik wird nun der Ausweg aus der Sexismus-Sackgasse des Rap. Amen.