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Mike Skinner: Geezer und Gentleman
"Was ich mache, ist alles andere als revolutionär. Ich produziere einfach Musik mit lauten Drums." Mike Skinner gibt sich neuerdings bescheiden. "Zufriedenheit und all diese Dinge – das ist nur eine Frage der Einstellung", meint er. Und das Geheimnis seines Erfolges? Das wisse er auch nicht so ganz genau. Die meisten Leute würden das, was er macht, einfach mögen. "Wer positive Energie ausstrahlt, bekommt das auch zurück", sagt er ganz so, als ob er das Geheimnis des Lebens gerade vom Universum geflüstert bekommen hätte. Vorbei also die Zeiten martialischer Kampfansagen? Vorbei die Zeiten, in denen er der Regierung den verbalen Stinkefinger gezeigt hat? Keine Drogen mehr? Alles ist Liebe? So einfach kommt uns Mister Skinner nicht davon.
2002 taucht Skinners Projekt The Streets quasi aus dem Nichts eines Londoner Wohnzimmers im Dunst von Hip Hop und Garage in der britischen Musikszene auf und landet mit dem ersten Album "Original Pirate Material" gekonnt auf Platz 10 der UK-Album-Charts. Wer einen solchen Start hinlegt, hat vermutlich Größeres vor. Mike Skinner beliefert die Popwelt fortan mit Geschichten über popelige Abende in versifften Schnapsbuden, das britische System, das irgendwo nicht ganz hinhaut, über vergeudete Mühen, vergebliche Lieben und über das Leben, das ab und an aus der Bahn gerät.
Er sagt, was er zu sagen hat – und das ist hin und wieder alles andere als charmant. Eine spröde Liebenswürdigkeit, ein eleganter Pragmatismus in den Texten, versetzt mit aufregenden Beats und Melodien, die nur so den Hang der Emotionen hinunterrollen – der selbsternannte Geezer offenbart sich dem Musikbusiness sofort als Ausnahmetalent.
Sechs Jahre, drei Alben und unzählige Flaschen Brandy später wird die The Streets-Diskografie – fast vorbildlich dem kommerziellen Veröffentlichungsrhythmus von zwei Jahren folgend – um ein viertes Werk erweitert. Mit "Everything Is Borrowed" scheint Skinner nun auf den Pfad der Erlösung eingebogen zu sein. Die Chef-Styler-Attitüde des letzten Albums "The Hardest Way To Make An Easy Living" – mit Sakko und polierten Sneakers – ist jedenfalls passé.