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Fotos: Nach dem Goldrausch ist vor dem Goldrausch
Jeder kennt das: "Ich werde wieder in den Laden gehen / Wo alle Leute gleich aussehen / Die Stadt liegt da vom Regen nass / Nie passiert hier irgendwas." Nachzuhören sind diese Zeilen auf dem Titelstück des zweiten Albums des deutschen Quartetts Fotos. "Nach dem Goldrausch bin ich da / Wo ich vor dem Goldrausch war", heißt es weiter, und das erinnert nicht nur an Fußballer-Diktion (Man erinnere sich an den unvergesslich Satz des deutschen Fußballtrainers Sepp Herberger: "Vor dem Spiel ist nach dem Spiel."), sondern auch an einen ganz Großen: an Neil Young und sein 1970 erschienenes Meisterwerk "After the Gold Rush".
Die Hamburger haben den Titel brav eins zu eins ins Deutsche übersetzt: "Nach dem Goldrausch". Wo aber der legendäre Kanadier einen Abgesang an das Gefühl des Aufbruchs und der Veränderung der 60er-Jahre anstimmte, diagnostizieren die Fotos das Darniederliegen einer Branche, die einmal als Musikindustrie bekannt war. Gepaart wird dies mit einer Portion Selbstzweifel: "Ich bin ein Thomas und kein Thomas Mann", gibt Sänger Thomas Hessler in besagtem Song zu Protokoll. Dass das Ganze dann keineswegs wehleidig oder resignierend rüberkommt, das ist eine Kunst, die die vier jungen Männer zu meistern verstehen.
Ins öffentliche Bewusstsein ist die Band vor ziemlich genau zwei Jahren getreten. Damals erschien das selbst betitelte Debüt, das ob seines "internationalen" Sounds Staunen machte. Hätte man nicht in deutscher Sprache gesungen, wäre das Debüt der Hamburg - Köln - Wuppertal - Connection glatt als das Werk der kleinen Brüder der Franz Ferdinands und Maximo Parks dieser Welt durchgegangen. Thomas Hessler, Gitarrist Deniz Erarslan, Bassist Frieder Weiss und Schlagzeuger Benedikt "Beppo" Schnermann konnten mit genau jener Mischung aus Power-Pop und Post - Punk - / New - Wave - Zitaten überzeugen, die sich nicht nur in jedem zweiten Jugendzimmer großer Beliebtheit erfreut. "Komm zurück" war mit seinen schneidenden Gitarren, dem stets an der Grenze zur Hysterie taumelnden Gesang und einer trockenen wie druckvollen Rhythmussektion ein Paradebeispiel und wie gemacht für die Indie-Disco.
So etwas sorgt für Aufsehen. Kein Wunder also, dass man sich aller Sprachbarrieren zum Trotz an eine kleine Europatournee wagte und mit den Kollegen von Timid Tiger in London und Paris die Ehre gab – um dabei keineswegs mit wehenden Fahnen unterzugehen. Schließlich hört bei einem Konzert erfahrungsgemäß eh kaum jemand auf die Texte, seien sie auch noch so ambitioniert, und die Tanzbarkeit der Fotos-Songs steht ohnehin außer Frage. Schon eher für Staunen sorgte die Entscheidung der großartigen französischen Band Phoenix, ihre jungen deutschen Kollegen als Support für die Tour zu ihrem letzten Album "It‘s Never Been Like That" zu engagieren – wohlgemerkt noch vor Erscheinen des Debüts der Fotos und auf ausdrücklichen Wunsch der Franzosen.
Nach der ersten Euphorie – und nicht weniger als positiver Resonanz seitens des Publikums und der Presse – folgt wie so oft allerdings die Ernüchterung. Der Traum vom Job als Vollzeitmusiker muss von den zwischen 1976 und 1984 Geborenen schnell ad acta gelegt werden, man verdingt sich als freier Kameramann oder Gitarrelehrer, arbeitet für einen Verlag oder ist »von Beruf Sohn« (Thomas). Ähnlich gestaltet sich die Sache, als man sich ans zweite Album macht. Was anderes soll es sein – nur was? Eine Weiterentwicklung, klar, dabei aber den eigenen Sound beibehalten und die Vergangenheit nicht leugnen. Eine Vorgabe, an der zuvor nicht eben wenige gescheitert sind. Was folgt ist Kampf und Krampf.