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Deichkind: That's Entertainment
Sven Väth hat es immer schon gewusst: "The message is Feierei!" Was der Frankfurter Techno-Altmeister in einer seiner Predigten dem Rave-Volk von der DJ - Kanzel hinab mit auf den Weg gegeben hat, haben sich die Mitglieder von Deichkind spätestens mit Erscheinen ihres letzten Albums "Aufstand im Schlaraffenland" als ideologiestiftenden Kalenderspruch notiert. Nun haben es schon die ersten beiden Alben der Hamburger Band nicht sonderlich genau genommen mit Hip-Hop-Dogma und Genre-Grenzen, mit "Aufstand im Schlaraffenland" aber war die Tür zur großen Flipperhalle endgültig aufgetreten: Autodrom-Beats, Kindergarten - Elektro, Ed Banger auf deutsch, Party-Slogans und "Remmidemmi" als Crossover - Hymne, die alle Lager eint. Schnell war das Etikett Tech-Rap aufgeklebt und die Live-Auftritte von Deichkind, bei denen die Mitglieder der Band neonfarbenbeschmiert und in Müllsäcke gehüllt maximales Power-Karaoke in die Menge feuern, Legende. Kritik an Oberflächlichkeit und am Verlust von musikalischem Mehrwert lässt da nicht auf sich warten. Was im Falle des neuen Albums "Arbeit nervt", das abermals mit Proll-Charme kokettiert, nicht anders sein wird.
Beim Interview werfen einander Produzent Sebi, MC Philipp, DJ Phono und Bassist Porky die gut vorbereiteten Spielbälle zu, führen Gedanken des anderen fort, basteln in Team-Arbeit Sätze und Theorien zusammen. Deichkind präsentieren sich als eine auf Ironie-Modus im tiefroten Bereich gepolte Einheit: "Wir sehen uns als Unternehmung. Es gibt keinen Einzelnen im Organismus 'Deichkind'. Das kann man sich so wie die Blue Man Group vorstellen. Mit den Verkleidungen, die wir auf der Bühne tragen, ist das ja egal, wer das wirklich ist. Alles, was wir machen, ist ein Produkt des Gesamten. Das ist wie auf der großen Bühne der Politik. Ein Song ist wie ein Gesetzesentwurf. Man schreit eine Idee raus und klatscht sie an die Wand wie ein Action-Painting. Dann wird das diskutiert."
Ein lamettabehangenes Trash-Amalgam
"Arbeit nervt", das vierte Album der Band, treibt die auf "Aufstand im Schlaraffenland" praktizierten Methoden auf die Spitze. Da knallen die billigen Beats, da fiepst und spritzt es. So simpel zu produzieren, dass es vordergründig ordentlich rockt und trotzdem nicht gleich nach Scooter klingt, das muss man erst einmal hinbekommen. Mit Roboterstimme und dick mit Effekten beladen wird da ein lamettabehangenes Trash-Amalgam aus Crunk, French House, glitzy R&B und Second-Hand-Kraftwerk verschweißt.