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Noah And The Whale: Sonne, Sonne, Schmerz
Gut möglich, dass einige sich dank einer gewissen Handynetz - Werbung an Noah And The Whale schon satt gehört haben, noch bevor ihre Platte überhaupt erschienen ist. In jenem eigenartigen Tango von Werbewirtschaft und verbleibender Musikindustrie, der heutzutage unsere Pop-Wahrnehmung lenkt, kommt so was immer öfter vor. Den ganzen Sommer über hat das britische Radio "5 Years Time", den Hit mit dem "Sun, sun, sun" - Refrain, als vergebliche Beschwörung in den
bleiernen britischen Sommerhimmel geblasen, und damit das Debütalbum von Noah And The Whale "Peaceful, The World Lays Me Down" in die Top 5 der UK-Charts gehievt.
Und doch leben die Mitglieder der Band an jenem Septembertag, an dem wir sie bei der Probe für ihre erste große Amerika-Tournee besuchen, immer noch wie eine arme Indie-Combo von bescheidenen 600 Pfund Taschengeld pro Nase und Monat. Interessanterweise findet Doug Fink, Schlagzeuger und Bruder von Sänger, Songschreiber und Ukulelenfreund Charlie, jene neuen asketischen Gebräuche in der einst von fetten Vorschüssen gefütterten britischen Szene auch ganz in Ordnung: "Es ist schon gut, wenn Bands an ihre Musik denken, statt an die Beute, die sie damit machen können."
So reden typischerweise Leute, die sich das leisten können. Zugegebenermaßen liegt der diskrete akustische Charme der aus dem beschaulichen Londoner Vorörtchen Twickenham stammenden Band auch kaum in proletarischem Muskelspiel. "Das einzige Wort, das wir als Beschreibung unserer Musik wirklich verabscheuen, ist niedlich", betont Doug, der Mutter Finks Folk-Platten als frühen Einfluss nennt. Bassist Matt Urby beruft sich dagegen auf die englische Essenz der Band, ehe Geiger Tom Hobden die Kategorien "Folk" und "Englisch" als gleichermaßen gefährlich von sich weist.
Gottlob fallen derlei Haarspaltereien flach, sobald Charlie Fink im Duett mit seiner Ex Laura Marling die Narben seines Herzens offenlegt. "Unsettled lovers move from fuck to fuck", konstatiert er abgeklärt im Titelstück des Albums.