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Härtefälle
Einzig die rollende Marketing - Maschinerie übertrifft die Wucht von Slipknot. Das Kollektiv aus Des Moines, Iowa, legt ein solides Fundament für Millionenverkäufe des neuen Albums "All Hope Is Gone": Die neun Mitglieder haben sich neue grauenhafte Masken übergestülpt, geben sich verzweifelt und tarieren ihren Thrash - Metal präzise aus. "All Hope Is Gone" pendelt zwischen Hass und Melodieansatz, zwischen einem "Mehr ist mehr", wo neun Entstellte auf Gitarre, Trommel und DJ-Pult eindreschen, um alles durch Intensität zu erdrücken, und gesungenen Refrains, die Godsmack schmücken würden. Fürchten muss man Slipknot nicht mehr, respektieren schon.
Respekt fordert auch einer, der sonst auf Rebellion, Warze und Jack Daniel’s mit einem Schuss Cola beharrt: Lemmy Kilmister. Mit 62 Jahren frönt er mit seinen Motörhead-Kumpanen auf "Motörizer" noch immer jenem Rock ’n’ Roll, der vor einem Vierteljahrhundert Punk und Metal versöhnt hat. Das offiziell 24. Album der Band reiht sich im Katalog weit oben ein, mit viel Tempo, frischen Riffs und Totenkopf-Ringen. Und wem’s nicht gefällt, der kann eine aufs Maul haben, soll ich ausrichten.
Wahrscheinlich kann Lemmy mit System Of A Down nicht viel anfangen ("System what?!", höre ich ihn schimpfen), dem Nebenprojekt "Scars On Broadway" könnte es etwas besser gehen. Gitarrist und Schlagzeuger von System Of A Down, Daron Malakian und John Dolmayan, zwingen den Metal der Mutterband raus und Rock rein. An einigen Stellen des Debüts "Scars On Broadway" brodeln die gewohnten Stakkatowirbel, doch sonst dominieren Melodie und flächige Gitarrenakkorde. Und endlich können Daron und John wieder in niedrigen, verrauchten Klubs auftreten, nicht immer in langweilen Stadien und auf noch langweiligeren Flugfeldern, mit lästigen Millionenhonoraren. Doch das nächste System-Of-A-Down-Album kommt bestimmt.