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Lily Allen: Alles in Ordnung, immer noch?
Da kam also 2006 eine junge Frau mit einem gut hörbar nicht zugewachsenen Schnabel, kumpelhafter Ruppigkeit und charmant gefaktem Cockney-Akzent um die MySpace-Ecke und bescherte der Welt mit ihrem Debütalbum einen veritablen Crossover-Erfolg. Das mit Hits zwischen Kaugummi-Pop, Kindergarten-Ska und auch sonst einer ordentlichen Dosis Jamaika vollgepackte "Alright, Still" hat bis heute über zwei Millionen Einheiten abgesetzt und seiner Protagonistin Lily Allen, einer Tochter aus zumindest in England prominentem Hause, den selten gut beleumundeten Status "Celebrity" eingebracht. Abhängen mit Models, zu dick, Alkohol, Boyfriend hier, Boyfriend da – die wenig zimperlichen Medien in ihrer Heimat haben den Braten immer schon gerochen.
Allens zweites Album "It’s Not Me, It’s You" ist nun eine Art Auseinandersetzung mit dem schnellen Ruhm geworden, mit dem noch schnelleren Leben, der VIP - Gesellschaft und dem einen oder anderen Über-die-Stränge-Schlagen inklusive der Benutzung merkwürdiger Substanzen.
Disco-Bolide und Wundertüte in einem
Produziert hat Allen das Album gemeinsam mit Greg Kurstin, einer Hälfte des kaum bekannten US-amerikanischen Indie-Duos The Bird & The Bee. Beschränkte sich ihr Beitrag zur Musik bislang darauf, die fertig produzierten Tracks mit Gesangsmelodie und Text zu versehen, so konnte sie für "It’s Not Me, It’s You" neben Kurstin immerhin ein paar Co - Kompostions - Credits einfahren.
Gemeinsam haben die beiden eine große Wundertüte Pop – dafür kommt man ins Gefängnis! – gerollt, die sich vom allgemeinen Karibik-Flavour des Vorgängers verabschiedet. "It’s Not Me, It’s You" ist ein silberglänzender Disco-Bolide, der sich bei 80er-Synthie-Pop ebenso bedient wie bei Richtung Mehrheitsfähigkeit hinuntergepegeltem French House. Dichte Schichten Elektronik vibrieren, die Beats prasseln.
Lily Allen hält die Balance zwischen schmerzlicher Introspektion und Spaß an der Freude und hat ganz viel Geschmeide in der Stimme. Im Song "Fuck You" schickt sie ein ebensolches Richtung Politik und kommt auch damit vergleichweise unpeinlich davon. So kann slicker Mainstream heute klingen: Madonna und Kylie, erblasset! Ein bisschen zumindest.