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The Prodigy: "Wir wollen alle wegblasen!"
Schon erstaunlich, wie tief Bands sich in ihre eigene Schale verkriechen können. Überall auf der Welt gibt es Krieg und Krisen, aber Keith Flint und Liam Howlett von The Prodigy verstehen überhaupt nicht, wie der Titel ihres neuen Albums "Invaders Must Die" auf irgendeine andere als die bandinterne Weise interpretiert werden könnte: "Der Titel stammt aus einem Gespräch über jene schlechten Zeiten, in denen andere Leute Spaß daran hatten, dass Keith und ich nicht mehr miteinander geredet haben", erklärt Howlett.
"Manche dieser Leute waren sogar gemeinsame Freunde. Natürlich gehört da ein bisschen Paranoia mit dazu, aber wir haben diese Leute die ‘Eindringlinge‘ genannt. Ich weiß nicht mehr, wer es zuerst gesagt hat, Maxim oder Keith, aber dabei ist der Satz ‘Invaders must die‘ gefallen, und ich hab sofort gewusst, dass das ein hervor-ragender Albumtitel sein würde." "Wir sind eine eingeschweißte Gang, und wir lassen niemanden rein", setzt Flint fort, "sobald die Leute einen Riss in deiner Rüstung sehen, wollen sie dich erwischen."
Aggressiver Ton, ebenmäßiger Teint
Willkommen in der friedliebenden Welt von The Prodigy, wo die Musik die Menschen eint: "Wir wollen, dass andere Bands Angst kriegen, wenn wir eine Platte rausbringen. Und wenn wir auf die Bühne kommen, gibt es keine Freunde mehr. Wir wollen alle wegblasen!" (Howlett) Dabei wirken diese Herren von Angesicht zu Angesicht längst nicht so aggressiv, wie sich ihre Zitate auf Papier ausnehmen mögen. Keith Flints einst so furchterregender Look des rasenden Pitbull-Berserkers aus dem vorstädtischen Essex der ausgebrannten Autoleichen ist heutzutage merklich entschärft. Sein ebenmäßiger Teint reflektiert mehr als zehn Jahre Wohlstand. Neben ihm macht Liam Howlett in bemalter Lederjacke und Wollmützchen einen leicht nervösen, rastlosen Eindruck.
Die beiden wissen sehr wohl, dass die Welt schon lange nicht mehr gebannt auf die nächste Entwicklungsstufe ihres einst so futuristisch erschienenen Dance - Rock - Sounds wartet. Aber die kurze Nu-Rave-Episode vor zwei Jahren hat doch bewiesen, dass gerade beim jungen Publikum ein enormes Potenzial für die Neuentdeckung jener ursprünglichen, ungezähmten Dance Culture besteht, aus der The Prodigy in den frühen 90ern hervorgegangen sind. Und "Invaders Must Die" scheut nicht davor zurück, die klassischen Sounds jener Epoche originalgetreu wieder auszugraben.