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Razorlight: "So ist das nun mal"
"Das einzige, was man von uns anderen in der Presse zu lesen bekommt, ist, wenn wir über Johnny herziehen." Es ist ein ewiges Dilemma, das Bassist Carl Dalemo beim Interview in einem Berliner Hotel anspricht, ein Vampireffekt, wenn man so will: ein sich als Pop-Ikone gerierender Frontmann, der einer Band Gesicht und Charakter verleiht, dessen durchaus auf einer gewissen Begabung fußende, freimütige Selbstüberschätzung aber auch sämtliche Aufmerksamkeit beansprucht.
Auf der Strecke bleibt der Rest der Band – und das gemeinsame Schaffen: "Vor allem in England wird eigentlich sehr wenig über die Musik unseres neuen Albums geschrieben." Dass außerdem gerade traditionsreiche Medien wie der britische NME angesichts der fundamentalen Umwälzungen im Pop-Business ihr Heil im immer schnelleren Drehen jener Spirale suchen, die am besten wöchentlich das next big thing ans Tageslicht befördert, lässt am anderen Ende der künstlichen Aufregung wenig Platz für längst Abgespeistes. Dalemo: "Es war klar, dass der NME dem Album eine niedrige Wertung geben würde. So ist das nun mal."
Dabei machen Razorlight nicht viel mehr als ihren zwischen aufdringlichem Stadion-Rock, mediokren Power-Balladen und knackigem Indie-Pop aufgespannten Sound auf "Slipway Fires" weiter zu verfeinern. Das hätte man ob eines offensichtlichen Mangels an Raffinesse schon beim selbstbetitelten Vorläufer schlecht finden können – da scheint die Band, nach ihrem ebenso ruhelosen wie guten Debüt "Up All Night", aber noch in der Gunst der Medien gestanden zu haben. Das Talent dieses Johnny Borrell ist freilich unbestritten. Ob der von übergroßen Ambitionen Getriebene sein Schaffen einst zu einer allseits geschätzten Qualität führen wird können? "Es sieht so aus, als ob die Leute den Mist, der über mich geschrieben wird, wirklich glauben wollen. Doch die, die voller Hass sind, werden nicht siegen!"