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Miss Kittin And The Hacker
Klingt so die Vergangenheit? Oder die Revolution? War Charles Darwin ein Raver? Und kann man in Zeiten wie diesen beim Après - Ski in Grenoble eigentlich noch unbehelligt ein Gläschen Champagner schlürfen? Lauter Fragen, die Miss Kittin And The Hacker im zweiten Akt ihres Electro - Pop - Theaters aufwerfen und auch gleich selbst schön ambivalent - eindeutig beantworten. "Fist up, ego down!", fordert Miss Kittin in ihrem unverkennbaren Franko - Englisch und beschwört die "Evolution", während der Hacker zur Betonung ihrer Slogans seinen in den frühen 80er - Jahren schockgefrorenen Maschinenpark hochfährt: messerscharfe Beats, Oktavbässe und Synthie - Kitsch wie aus perlendem Quecksilber.
Von Weiterentwicklung kann hier eigentlich keine Rede sein. Und den Soundtrack zur Revolution stellt man sich anno 2009 bestimmt anders vor. Trotzdem: Caroline Hervé und Michel Amato alias Miss Kittin And The Hacker sind zurück und wirken in ihren alten Retrolectro - Klamotten so heutig, wie man es nur sein kann. Dass das Duo aus der Alpenstadt Grenoble genau an derselben Stelle weiter beziehungsweise, eine Spur unverschämter gesagt, einfach wieder genau das Gleiche wie vor zehn Jahren macht, ist gerade das Tolle an diesem Wiedersehen. Die beiden sind die Drei - Wetter - Taft - Models der Dancefloors: 1998, Bassföhn im Berliner Katakomben - Club – die Frisur sitzt perfekt. 2001, grelle Neon - Laser in der Londoner Großraumdisco – die Frisur hält. 2009, drei Tage wach und immer noch auf der Afterhour – nach wie vor perfekter Halt. Der Style von Miss Kittin And The Hacker hat bisher nicht nur jeder ästhetischen oder ökonomischen Großwetterlage getrotzt, er war zugleich auch der perfekte Ausdruck für die jeweiligen klimatischen Bedingungen.
Schnüffelrunden in der Vip - Area
Acht Jahre sind inzwischen seit ihrem "First Album" vergangen, ganze elf, seit mit einer EP namens "Champagne!" bei International Deejay Gigolo Records die erste gemeinsame Platte erschienen ist. Die Leute machten damals in Internet, konnten weder bei Napster noch vom Venture Capital den Hals voll genug kriegen und tanzten nachts mit fettem Grinsen im Gesicht zu einem Song wie "Frank Sinatra", einer bitterbösen Hommage auf das dekadente Leben der Bussi - Bussi - Party - Party -Gesellschaft – die sich ihre eigene Antihymne bei Schnüffelrunden in der VIP - Area oder beim Sex in der Limousine nur umso lauter und lieber anhörte. Electro - Clash war geboren, jene typische Mischung aus Style, Performance und Coolness des neuen Fin de Siècle. Von der hochtechnologischen Gesichtslosigkeit der Tanzmusik, die Ende der 90er in der Laptop - Frickel - Kultur eine neue Blüte erlebte, hatten viele genug. Schließlich wollte man all die Egos auch nach dem Feierabend in der PR - Agentur noch ein wenig spazieren führen. Endlich hunderttausend kleine Versprechen, die wahr wurden: der neue Schreibtisch und die nächste Gehaltserhöhung. Jeder sein eigener Star – und Miss Kittin im Krankenschwesternkostüm vorneweg, mit Herrn Hacker als geheimnisvollem Kool Killer in ihrem Schatten.