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AES+F
Ist alles nur ein Spiel? Oder haben sich die Figuren aus Ölschinken der Stalinzeit tatsächlich mit Caravaggios Jünglingen verbündet, um eine Revolution anzuzetteln? In der Videoinstallation "Last Riot" der russischen Künstlergruppe AES+F scheint alles möglich, und das macht die Bildfolgen so beunruhigend, ja schockierend. Als die Arbeit auf der Biennale von Venedig 2007 auf wandgroße Schirme projiziert wurde, war Tatiana Arzamasova, Lev Evzovitch, Evgeny Svyatsky und Vladimir Fridkes die Aufmerksamkeit der Kunstwelt gewiss. Die aus etlichen Zitaten der zeitgenössischen Bildwelt gespeiste Ästhetik beeindruckte nicht nur durch Opulenz, sie schleuderte den Betrachtern auch politische Gedanken brutal ins Gesicht. Der Zerfall der Machtblöcke, der "Clash Of Civilizations", das unkontrollierte Wuchern neuer Machteliten bildet den Hintergrund für die bedeutungsschwangeren Arbeiten von AES+F – und da die Ungewissheit längst nicht mehr ein Spezifikum postkommunistischer Staaten ist, scheint die Arbeit heuer aktueller denn je.
Jeder gegen jeden und gegen sich selbst
In "Last Riot" wird eine entgrenzte Welt ins Bild geholt. In Hochglanz - Ästhetik dargestellte Schönmenschen sind in Folter- und Hinrichtungsszenen involviert, in schematisiertem Computerspiel - Look dargestellte Passagierflugzeuge krachen in Berge, Raketen steigen auf. "Es ist eine Welt, in der die Zeit stillsteht, in der vergangene Epochen zeitgleich mit der Zukunft stattfinden und in der Menschen ihr Geschlecht verlieren und sich Engelswesen annähern", heißt es im Begleittext. "Die Helden des neuen Epos haben nur eine Identität, nämlich die der Rebellen des letzten Aufstandes, in dem jeder gegen jeden und gegen sich selbst kämpft, in dem kein Unterschied mehr zwischen Aggressor und Opfer, zwischen Mann und Frau besteht." Ob dieses "Ende der Ideologie, der Geschichte und der Ethik" Grund zum Feiern oder zum Verzweifeln gibt, lässt sich am Donaufestival selbst erkunden.
AES+F "Last Riot"
Mi., 22. bis Sa., 25. April und Fr., 1. bis Sa., 2. Mai, 21 Uhr, Krems, Stadtsaal