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Tanzen, langsam
Pop und Glitzer - Disco ist ausreichend Platz für Jeremy Jay.
Zwei Begriffe, beide geeignet, eher ein Lebensgefühl, ein Selbstverständnis zu beschreiben als einen Musikstil. Entsprungen sind sie jeweils Subkulturen, und eine offensichtliche Gemeinsamkeit gibt es noch: Sie waren ein Aufbegehren gegen das Monster namens Corporate Rock, dass sich damals, in den 70ern, immer aufgeblasener, selbstgefälliger und machistischer zeigte. Die Rede ist von Punk auf der einen und Disco auf der anderen Seite. Jeremy Jay, der junge blonde Schlacks, fühlt sich in beiden Welten wohl, in seiner Musik manifestiert sich das aber keineswegs als der Sound gewordene Schnee von gestern, Funk - Punk nämlich, sondern in einem selbstverständlichen Umgang mit popkulturellen Zeichen und Signalen, der niemals klugscheißerisch oder überambitioniert daherkommt. Schließlich hat Jay seinen Bowie (aus der Thin - White - Duke - Phase) ebenso intus wie er in Jonathan Richman einen Geistesverwandten gefunden zu haben scheint.
Ein Dandy zwischen Paris und Los Angeles
Jeremy Jay ist ein Dandy, einer, der eigenen Angaben zufolge gerne mit geöffnetem Schiebedach durch die Gegend braust und dabei mit seinen Freunden Musik hört, der aber auch zwischen zwei Wohnsitzen pendelt, die einerseits "Glamour", andererseits "Boheme" schreien, und das laut: Paris und Los Angeles. Nouvelle Vague trifft Hollywood also. Auf seinem letztes Jahr erschienenen Debüt "A Place Where We Could Go" drückte sich das in schrammeligen Popsongs aus, von der Sorte, die ans Herz gehen, dabei aber jegliches Schmalz kategorisch ausschließen – ein Indie - Nerd in feinem Zwirn quasi. Inzwischen hat sich Jeremy Jay einen Synthesizer angeschafft, und der darf sich einer prominenten Rolle auf seinem zweiten Album "Slow Dance" erfreuen. Da kommt in seinen reduzierten, leicht rumpeligen Songs schon mal the dark side of disco zum Vorschein. Musik, die trotz ungeschliffener Oberfläche funkelt und glitzert.
Jeremy Jay "Slow Dance"
Label: K Records
Release: 27. März