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Ihre Stimme längst gefunden
Clara Humpel, die unter dem Pseudonym Clara Luzia Musik macht und diesen Namen auch für ihre Band verwendet, ist eine der positivsten Erscheinungen der österreichischen Musikszene der letzten Jahre. Nicht nur mit ihren eigenen Songs, die schon ein stetig wachsendes Live - Publikum fanden, bevor das Debüt "Railroad Tracks" im Jahr 2006 erschienen ist, weiß die in Wien lebende und arbeitende Musikerin zu überzeugen. Sie findet zusätzlich die Zeit, mit ihrem Label Asinella Records geschmackssicher Musik zu veröffentlichen, sei es von Mika Vember, die auch in Clara Luzias Band spielt, von Marilies Jagsch oder zuletzt von den wunderbaren Luise Pop. Daran, dass es nicht mehr Thema ist, ob Frauen hierzulande überhaupt Musik machen, sondern in welcher Qualität sie das tun und welche ästhetischen Besonderheiten ihre inhaltlichen und formellen Ansätze dabei bergen, hat sie einen erhebeblichen Anteil.
unberührt vom erwartungsdruck
So gesehen wird das neue Album schon von einer gewissen Erwartungshaltung begleitet, der Gewinn des Amadeus Austrian Music Awards 2008 in der Kategorie "FM4 Alternative Act" tut ein Übriges. Von dieser Auszeichnung mag man halten, was man will, Tatsache ist, dass sich die Clara - Luzia - Alben – 2007 folgte "The Long Memory" – nicht zuletzt auch ihretwegen ausnehmend gut verkauften. Die grundsätzlich eher konventionelle Anlage der Musik, an klassischen, meist angloamerikanischen Songwriterinnen und Songwritern orientiert, ist dabei kein Hindernis. Und die Stimme Clara Luzias ist einfach eine, der man gerne zuhört.
Die 14 neuen Songs auf "The Ground Below" kommen wie von allfälligem Erwartungsdruck völlig unberührt daher. Vom eröffnenden "Queen Of The Wolves" ("Hey - ey - ey / I’m so much more / Than this today") bis zum abschließenden "10 - Legged Family" – "I could say things like I’d die for you / But I rather say I stay alive for you." Produziert von Stammproduzent und Bandmitglied Alexander Nefzger ist das die Musik einer Frau, die ihre Stimme längst gefunden hat und ohne Experimentieren um des Experimentierens willen unverkrampft neue Dinge ausprobiert, es aber auch zuwege bringt, vertrautem songwriterischem Terrain neue Aspekte abzugewinnen.
Sehr schön: "Faces", bei dem die Londoner Musikerin Emma McGlynn, die mit Clara eine jahrelange Freundschaft verbindet, mitwirkt. Es ist schwer, die Offenheit dieser Musik nicht zu mögen, etwa wenn es in "I Found A Stone On The Wayside" heißt "I stumbled over happiness the other day / I put it in my pocket, hid it away / It’s a secret hard to keep". Sie ermöglicht das Sich - Wiederfinden, die die Songs Clara Luzias wohl bei Teilen ihres Publikums auslösen. Dabei treibt "The Ground Below" die Dinge voran, sei es durch den gewachsenen Band - Sound, der bei einem zeitgemäßen urbanen Folk - Pop mit eingebauten weltweiten Klang - Postkarten angekommen ist, oder dadurch, dass die Bilder, die Clara Luzia in ihren Songs findet, die Storys, die sie erzählt, weitläufiger werden. Und das ist insgesamt sehr schön so.