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Soap & Skin
Kunst ist Schmerz. Eine schlichte Gleichung, mindestens so alt wie die Romantik und so grausam wie eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann. Und natürlich ein Klischee. Anja Plaschg hat Recht, wenn sie von solchen und ähnlichen Gemeinplätzen nichts wissen will. Doch sie wird geradezu verfolgt davon. Vom Wunderkind in ihr selbst, von der tragischen Diva und von Vergleichen mit Nico, vom Widerstreit zwischen Selbstekel und voyeuristischer Faszination, wenn man das Leid anderer begafft. Denn Anja Plaschg ist der Teenager, der wir in unseren Träumen alle gewesen sind und doch niemals sein durften: anders als die Anderen, einsam, voller Weltschmerz, unendlich genial.
Die dunkelsten Seiten der Romantik
Plaschg braucht nicht viel mehr als ein E-Piano und ihre Stimme, um zu Soap & Skin zu werden und mit ein wenig Prozessorknistern oder digitalem Orgelgebläse die dunkelsten Seiten der Romantik zu beschwören, den kreativen Rausch des Symbolismus. Robert Schneider ließ seinen Elias in "Schlafes Bruder" Anfang des 19. Jahrhunderts an der eigenen Hypersensibilität und an der Liebe zu Grunde gehen. Soap & Skin stellt heute mit Liedern wie "Brother Of Sleep" und "Thanatos" ihre Hypersensibilität und ihre Liebe zum Leid kompromisslos zur Schau – und verfügt gerade deshalb souverän über ihr Geheimnis.
Die 18 - jährige Musikerin aus der Steiermark hat sich daran gewöhnt, dass ihre Geschichte immer als die des genialen Wunderkinds erzählt wird. Die Kunstfigur Soap & Skin, von ihrer eigenen Persönlichkeit eigentlich nur in einem Akt der Schizophrenie zu trennen, passt beinahe zu perfekt ins Klischeebild der überempfindsamen, leidenden Künstlerin. Schwarz gekleidet, blass und geheimnisvoll sitzt sie bei ihren Konzerten am Klavier. Mit trotzig aufgeworfenen Lippen formt sie ihre Gänsehautstimme zu pechschwarzen Elegien: "Please extinguish me!" – "Please help me!" Wenn man jedoch beim Interview versucht, ihre Stimme auf Tonband festzuhalten, bleibt da nicht viel mehr als quälendes Rauschen, ein paar Seufzer und dann plötzlich kaum vernehmbare, enorme Wortmonster. Mit beinahe erstorbener Stimme erzählt sie vom schmerzhaften Prozess, ihr erstes Album aufzunehmen, spricht von Kurzschlüssen mit ihrem Unterbewusstsein und tranceähnlichen Zuständen, in die sie beim Musikmachen gerät. Das fanatische, rauschhafte Klavierspiel kam plötzlich im Alter von 13 Jahren über sie. Ihre Erinnerung zeichnet ein schwarzes Bild von jener Zeit: "Wenn ich zurückschaue, war es damals wie ein Filmriss. Ich erkenne nichts. Aber es war ein Augenblick, in dem sich alles umgedreht hat. Ich wusste plötzlich, wie ich mit meinen starken Gefühlen der Sehnsucht und Einsamkeit umgehen konnte."