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Sexy Ganglien
Was auf YouTube in grobpixeliger Form zu sehen ist, geht natürlich höchstens als eine Ahnung des Originals durch, aber der 1949 vom Animationskünstler Norman McLaren produzierte Film "Begone Dull Care" hat auch nach 60 Jahren nichts von seiner hypnotischen Wirkung eingebüßt. McLaren filmte nichts ab, sondern manipulierte das Material selbst, ritzte Muster in die Negative und schnitt sie in endloser Kleinarbeit so zusammen, dass sie sich scheinbar spielerisch zum Soundtrack der Musik des Jazz - Pianisten Oscar Peterson fügten.
Ähnliche Herausforderungen
Wenn Jeremy Greenspan und Matt Didemus alias Junior Boys sich nun den kryptischen Titel jenes Films für ihr drittes Album geborgt haben, ist das mehr als nur ein kodierter, augenzwinkernder Hinweis für den aufgeklärten Cineasten. "Als Kind hab ich seine Arbeiten für die Animationswerkstatt des kanadischen National Film Board im Fernsehen gesehen", sagt Greenspan, "und als ich vor zwei Jahren wieder darauf gestoßen bin, begann ich mich immer mehr für Norman McLaren, sein Leben und seine Techniken zu interessieren. Nachdem wir diese Platte gemacht haben, sind wir dann vor einigen Herausforderungen gestanden, die mir sehr ähnlich erschien wie das, was er zu bewältigen hatte. Ich fühlte mich ihm sehr verbunden. Er wurde zu der Figur, an der ich meine Gedanken aufhängen konnte."
Es ist ein grauer Märztag in London. Greenspan, der nach wie vor in Hamilton, Ontario, dem Ursprungsort der Band, wohnt, hat den dieser Tage in Berlin lebenden Matt Didemus seit seiner Landung am Abend zuvor noch nicht gesehen, aber die beiden halten sich nicht mit Begrüßungen auf. "Wir treffen uns öfter, als man meinen sollte, wenn man die Distanz zwischen uns bedenkt", versucht Greenspan den auffälligen Mangel an Willkommensbezeugungen zu erklären.
Vielleicht liegt die wahre Intimität dieses Duos aber nicht in Küsschen, sondern in der abstrakten Verhandlung der Grundlagen ihrer Musik. Insbesondere Greenspan ist ein endloser Quell spontan postulierter Pop - Theorien. Einmal philosophiert er über den enormen Einfluss deutscher Musik auf die zehnjährige Karriere der Junior Boys und ihre Vorliebe für Präzision und "das Leise" im Sound. Dann erläutert er, warum sie bei der Konstruktion ihrer unaufdringlich intelligenten Popmusik zwar immer an Groove und Antrieb, aber nie an ihre Wirkung auf den Dancefloor denken: "Es ist nicht so, dass wir keine Dance Music machen wollen. Ich wünschte nur, dass es eine Club - Szene gäbe, zu der wir gerne gehören würden. Wir machen unsere Musik auch nicht in der Geschwindigkeit, in der die meiste Dance Music heutzutage gemacht wird. Das ist eine bewusste Entscheidung, weil wir die Energie schneller Tracks nicht mögen."
http//www.juniorboys.net