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Der vierte Mann
Nicky Wire, im März 40 Jahre alt gewordener Texter, Bassist und fallweise Sänger der walisischen Band Manic Street Preachers rekapituliert seine erste Begegnung mit Steve Albini, dem notorischen Sound - Querulanten, der Alben von den Pixies, Nirvana oder Page & Plant nicht produziert, sondern einfach richtig aufgenommen hat: "James (Dean Bradfield, Sänger und Gitarrist der Band, Anm.) und ich haben in den Straßen Cardiffs Musik gemacht, in der Nähe der Venue, in der Albinis Big Black am selben Abend aufgetreten sind. Er geht an uns vorbei, schaut verächtlich rüber und wirft uns einen wirklich bösen Blick zu. Als ich ihm das jetzt erzählt habe, hat er gesagt: 'Ja, klingt ganz nach mir ...'"
Aus einer anderen Zeit
In drei Wochen hat die Band die 13 Songs ihres neunten Albums mit ihm aufgenommen – "für unsere Verhältnisse ist das wirklich schnell, Steve meint jedoch, fünf Tage hätten auch gereicht". Im Vergleich zum etwas glatt ausgefallenen Vorgänger "Send Away The Tigers" (2007) ist "Journal For Plague Lovers" eine Offenbarung. Immer noch Alternative Rock der Marke Stadion, aber nicht zu Tode arrangiert. "Der kommerzielle Erfolg von 'Send Away The Tigers' hat uns die Freiheit gegeben, etwas anderes zu tun. Manchmal machen wir Alben, um ins Radio zu kommen, manchmal machen wir sie für uns, so wie etwa 'The Holy Bible' (1994, Anm.) oder eben unsere neue Platte."
Die Lyrics dazu stammen aus Notizbüchern des verschollenen Bandmitglieds Richey James Edwards. Er ist seit 1995 abgängig und hat seinen Kameraden zuvor dieses künstlerische Erbe überlassen. Aus einer anderen Zeit scheint auch die im Titel der Single "Jackie Collins Existential Question Time" (Refrain: "Oh Mummy, what’s a Sex Pistol?") genannte, mittlerweile in die Jahre gekommene Autorin zu stammen. Wire lacht: "Richey war prädigital, er hatte keinen Computer, kein Mobiltelefon. Wir wollten ihn als Künstler feiern, einmal noch die vierköpfige Band sein, die wir nicht mehr sein können."