|
|
||
Music = Passion = Auszucker inklusive
Das eine Lied klingt aus, das nächste sollte beginnen, aber da haben alle Anwesenden ihre Rechnung ohne den Launen des Patrick Wolf gemacht. Laut Veranstalter war im Vorfeld des c/o Pop mit allen Künstlern geklärt worden, dass die Konzerte am Offenbachplatz aus Lärmschutzgründen um 22 Uhr beendet sein müssen. Patrick Wolf, der bereits im Kindesalter passioniert begann Instrumente zu spielen, wollte aber noch nicht aufhören und protestierte lautstark gegen diese Zeitbeschränkung.
Als die Veranstalter dem Briten schließlich das Piano abdrehten, stürmte der Wolf endgültig aus seinem Schafspelz, warf zuerst in einer trotzig wirkenden Geste das Mikrophon auf die Bühne, schmiss zwei Mikrophonständer hinterher und damit wirklich jeder versteht worum es ihm hier geht, flog auch noch der Pianostuhl von der Bühne. Sehr leidenschaftlich dieser Wolf.
Vom schlechten Gewissen und dem ums Ansehen des Sängers bangenden Management, wurde Patrick Wolf aber zu einer offiziellen Entschuldigung gebracht. Diese beginnt wie die meisten total ungezwungenen Entschuldigungen damit, dass er einen sehr schweren Tag hatte und alles gar nicht so gemeint war. Dass er auch nach mehrmaligem Auffordern nicht um 22 Uhr die Bühne verlassen wollte liegt daran, dass er nie Uhren trägt, ergo ja gar nicht wissen kann wie spät es ist. Das Mikrophonständer- und Pianostuhl-Weitwerfen kommentiert Patrick Wolf damit, dass er ein Statement setzen und sich für das Publikum einsetzen wollte. Seine Aggression an diesem Abend richtete sich auch nicht gegen irgendwelche Personen direkt, sondern nur gegen das Leben und die Dunkelheit und harte Zeiten, so Patrick Wolf wörtlich in seiner offiziellen Entschuldigung.
Zum Abschluss dieser Erklärung folgt noch ein kleines zusammenfassendes Rechenbeispiel, durchgerechnet vom bösen Wolf persönlich: “major miscommunications backstage x lack of sleep due to very busy schedule x singing many songs about battling x an intense education from the extreme parts of London nightlife/wildlife/streetlife as a teenager x Steve Strange going on very late x a full day of cameras flashing and questions x being 26 years old and should have known better = bad wolf”
Zu sehr zu Herzen sollte sich Patrick Wolf diesen Ausrutscher angesichts anderer musikhistorischer Fehltritte aber nicht nehmen. Immerhin hat Pete Townsend sich auch nie bei dem Hippie entschuldigt, den er in Woodstock von der Bühne geprügelt hat.