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Nachbericht: Urban Art Forms Festival, Tag 1
Ja, es hat was, wenn man urbane Kunstformen in ländliches Grün verpflanzt, wenn eingesessene DJs ihre vertrauten Clubs in Wien, Berlin, London und Montreal verlassen müssen, um sich in Zelten vor einer äußerst motivierten Crowd zu bewähren. Wiesen bewies allen monetären und vom Wetter verursachten Widrigkeiten der letzten Jahre zum Trotz großes Durchhaltevermögen und ließ sich nicht lumpen. Über 100 Artists, darunter DJ-Hochkaräter wie Tiga, Goldie, Aphrodite oder Dave Clarke, reichten sich drei Tage lang in einem Monsterprogramm fast nahtlos die Platten. Schlafen oder essen kann man schließlich auch an jedem anderen Tag.
Das von einer Wodkamarke in "Wolfsrevier" umbenannte Festivalgelände machte seinem Namen am Freitag jedenfalls alle Ehre. Denn der Ruf der Wildnis lockte in Form markiger Beats. Während der Genreveteran DJ Zinc auf der "DnB Stage" mit seinen bewährten Supersharpshooter-Sounds kurz die Wände wackeln ließ, legte auf der größeren "Tent Stage" Christopher Just sein ilsagoldenes Händchen gekonnt an die Turntables und zeigte, warum er nun schon seit Dekaden immer wieder vorne mitmischt. Der Mann recyclt nicht nur permanent die Vergangenheit aus seiner Plattenkiste, sondern zeigt auch ein untrügliches Gespür für Novelties und erfindet sich damit ständig neu. Diesmal sang Mel Merio zu seinem Live-Mix aus Elektro, Techno und Pop und Just selbst überraschte mit Vokaleinlagen ebenso wie mit originellen Indie-Balladen.
Ebenfalls im Hauptzelt, wo die Visuals heuer mittels spektakulärer Video Walls entscheidend aufgewertet wurden, entführten Makossa & Megablast mit Sängerin, Downtempo und Brasil-House in sonnig-entspannte Groove-Gefilde. Weit trockener und minimalistischer gab sich Ellen Allien. Technisch gesehen zwar sehr korrekt und auch geschmackssicher, fiepte alles etwas zu unsexy und anorektisch aus Minimal-Techno-Land herüber in die Sommernacht und bewegte sich verhalten im Knarzquadrat.
Zur gleichen Zeit platzte der Drum-&-Bass-Floor förmlich aus allen Nähten. Immerhin beschallten der legendäre Aphrodite und (etwas später) die britischen Szenestars Pendulum eine der treuesten und ausdauerndsten Fangemeinden mit hartem Stoff. Als Highlight des Freitagabends entpuppten sich aber Modeselektor. Nach einem das Live-Set eröffnenden bravourösen Lehrstück in Sachen Mixtechnik, das im Zeichen des perfekten Übergangs alle Stile des Elektro-Planeten meisterhaft zu einem vibrierenden Flow vereinte, gaben sich die beiden Jungs aus Brandenburg sehr heiter und höflich: Man ließ das Publikum die Musikauswahl treffen. Dieses entschied sich prophetisch für Techno und schon böllerte es beherzt aus allen Rohren und Konsolen, dazwischen flutschte funkiger französischer HipHop. Es gab, wie es so schön heißt, kein Halten mehr und der mitreißende Spaß und fulminante Spielwitz gipfelte in einer grandios zerhackten Scooter-Hommage. Über Rest-"Hyper Hyper"-Beats beschwor man gurgelnd und stampfend die heilige Bassdrum, Nineties-Partyenergie und diverse DJ-Größen. Große Klasse. Nächstes Jahr gerne mehr davon!