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Zukunft der Musikindustrie: "Mainstream ist unsexy"
Die Popkomm hat in diesem Jahr so viele Aussteller und Fachbesucher angelockt wie noch nie seit dem Umzug nach Berlin vor vier Jahren. Mit 886 Ausstellern aus 57 Ländern wurde eine Steigerung um acht Prozent erreicht. Die Zahl der Fachbesucher stieg leicht auf gut 15.000. Die Stimmung in der Musikindustrie ist nach den Rückschlägen der vergangenen Jahre wieder verhalten positiv. Im pressetext-Interview erläutert die Popkomm-Direktorin Katja Bittner die Schwierigkeiten einer Branche im rasanten Wandel, entwirft das Distributionsmodell der Zukunft und betont die positive Rolle des Internets für junge Bands.
pressetext: Die Popkomm war in diesem Jahr so erfolgreich wie noch nie seit ihrem Umzug nach Berlin. Wie war die Stimmung auf der Messe?
Bittner: Die Stimmung bei unseren Ausstellern und Besuchern war super. Wir haben gerade von den neuen, internationalen Ausstellern ein sehr gutes Feedback bekommen. Ich hoffe natürlich, dass es im nächsten Jahr so weiter geht. Wir sind ja mitten drin im Geschehen und schauen uns die rasanten Entwicklungen, die derzeit in der Musikbranche passieren, genau an. In diesem Jahr etwa war das Panel Film und Musik, das vor vier Jahren noch kaum jemanden interessiert hat, rappelvoll.
pressetext: Wie kommt das?
Bittner: Das liegt daran, dass mittlerweile das Bedürfnis nach verschiedenen Businessmodellen bei der Musikauswertung stärker wird, weil das normale Kerngeschäft zusammenschrumpft. Wir werden das Thema Filmmusik im nächsten Jahr ausbauen und uns den Bereich Werbung und Musik genauer anschauen. Solche Modelle werden wichtiger. Solange es in der Branche noch knirscht und viele Dinge ungeklärt sind, ist der Gesprächsbedarf einfach enorm. Und die Popkomm ist die perfekte Plattform dafür, weil sich hier die Leute aus allen möglichen Bereichen treffen. Ich gehe davon aus, dass wir weiterhin wachsen. Dieses Wachstum ist aber keineswegs aufgebläht, sondern nur so groß, wie es der Markt zulässt.
pressetext: Wo liegen derzeit die Schwachstellen der Musikbranche?
Bittner: Das größte Problem ist meiner Meinung nach, dass es keine Vereinheitlichung gibt. Jeder geht neue Wege, aber jeder geht völlig unterschiedliche. Und zwar nicht nur im Sinne der Vermarktung. Der Verrechnungsprozess dahinter, die Verwertung der Rechte, ist nicht ausreichend geregelt. Egal wie der Konsument an seine Musik kommt, was er dafür bezahlt, in welche Struktur das Ganze eingebunden ist - ob das ein Abo-System oder durch Werbung finanzierte Musik ist - die Frage ist, wie viel Geld kommt beim Künstler an. Darüber hinaus hat der Verbraucher nach wie vor eine Menge Barrieren.
pressetext: Was sind das für Barrieren?
Bittner: Es gibt jede Menge Formate und mobile Geräte und die wenigsten sind miteinander kompatibel. Mittlerweile muss man fast ein Technik-Freak sein, um sich mit den ganzen Formaten und Software-Lösungen auszukennen. Für den normalen Musik-User ist das auch zu kompliziert. Ich gebe offen zu: Mir ist das zu kompliziert. Der Verbraucher will Spaß an der Musik haben und nicht überlegen, ob sich der Titel von A nach B transferieren lässt, wie das geht und ob er damit nicht aus Versehen irgendwelche Rechte verletzt.
pressetext: Was wäre die ultimative Lösung für dieses Problem?
Bittner: Das Erfolgsrezept liegt bei der Branche selbst. Es muss eine einheitliche Abrechnungsstruktur her, die alle gleichermaßen benutzen. Die Technik muss untereinander kompatibel sein. Der User sollte in Zukunft in der Lage sein, ein Musikstück, dass er egal wo erwirbt, auf jedem seiner Musikgeräte - sei es die heimische Musikanlage, der MP3-Player oder das Handy - ohne Behinderung abspielen zu können. Die Barrieren für den Nutzer, Musik legal herunterzuladen, müssen so niedrig wie möglich sein. Daran arbeitet die Branche. Es ist aber nicht einfach. Wir leben in einer globalen Welt.