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Vom modernen �berlebenskampf
�Vergelte Schl�ge mit Schl�gen, Verachtung mit Verachtung, Verurteilung mit Verurteilung � mit Zins und Zinseszins! Auge um Auge, Zahn um Zahn, nicht nur vierfach, sondern hundertfach!� Anton Szandor LaVey, �Die Satanische Bibel�
1967 starben die amerikanische Filmschauspielerin Jayne Mansfield und ihr Verlobter Sam Brody bei einem Verkehrsunfall. Kurze Zeit sp�ter tauchte das Ger�cht auf, der kalifornische Exzentriker, Okkultist und Hohepriester der offiziellen Church of Satan� Anton Szandor LaVey, mit dem Mansfield in Kontakt gestanden ist, sei daf�r verantwortlich. Er habe Sam Brody mit einem Fluch belegt, und Jayne Mansfield sei am Tag, an dem sich dieser Fluch erf�llen sollte, zu ihrem Ungl�ck im Unfallwagen gesessen.
Nun kann man derartige Behauptungen nat�rlich nur schwer beweisen, aber diese makabre Geschichte ist symptomatisch f�r das Leben und Handeln LaVeys, jenes Mannes, der stets zwischen obskurem Kitsch und Anspruch pendelte, zwischen Wahrheit und L�ge. Jenes Scharlatans, der in seiner Fassade aus Selbstdarstellung und Hochmut kleine Wahrheiten versteckt hielt. Anton LaVey war kein Klischee zu billig, um sich und seine vermeintlich satanische Weltsicht in Szene zu setzen. Er schm�ckte sich mit einem L�wen als Haustier, erkl�rte dem Christentum den Krieg und hinterlie� mit seiner �Satanischen Bibel� fundamentale Fu�stapfen in der weiten Welt der Popkultur. LaVeys Einfluss nur auf die Popkultur zu reduzieren, w�rde allerdings zu kurz greifen. Die Philosophie von Anton Szandor LaVey ist zu einem gro�en Teil f�r das hedonistische Gesicht der westlichen Welt mitverantwortlich.
�Leben ist eine gro�e Sinnesfreude � Tod die gro�e Abstinenz. Deshalb mache das Bestm�gliche aus dem Leben � hier und jetzt!� Anton Szandor LaVey, �Die Satanische Bibel�
Anton Szandor Lavey wurde 1930 in Chicago geboren, er wuchs in Kalifornien auf. Eine authentische Biografie �ber ihn zu erarbeiten, gestaltet sich schwierig bis unm�glich, da LaVey Zeit seines Lebens eifrig Mythen und Erfundenes �ber sich selbst verbreitete und so ein Netz des R�tselhaften um sich entsponn. Belegt ist, dass LaVey sich schon in sehr jungen Jahren intensiv mit okkulten Thematiken besch�ftigte und sich diesbez�glich gro�es Wissen aneignen konnte. Die ersten Jahrzehnte seines Lebens f�hrte er �berdies ein recht unstetes Leben. Er verlie� die Highschool fr�hzeitig und wechselte laufend Berufe wie Berufungen. Mal verdiente er sein t�glich Brot als Polizeifotograf, mal als Zirkusartist, mal als Pianist in Striptease-Lokalen. Einem der vielen Ger�chte aus dieser Zeit zufolge soll er sogar eine Aff�re mit der damals noch unbekannten Marilyn Monroe gehabt haben.
1950 erwarb LaVey ein viktorianisches Haus in San Francisco, er lie� es schwarz anstreichen und lud regelm��ig zu von ihm gehaltenen Vortr�gen �ber Okkultismus und Geheimlehren. Damit war der Grundstein f�r eine religi�se Vereinigung gelegt. Aber erst 16 Jahre sp�ter entschloss sich LaVey zur offiziellen Gr�ndung der Church of Satan. 1967 schrieb er schlie�lich sein Lebenswerk � die �Satanische Bibel�. Mit diesem Buch sollte LaVey eine Lawine lostreten, die bis heute dahinrollt und in den K�pfen aufgeregter Heavy-Metal-J�nger, esoterischer M�tter und n�chterner Bankangestellter gleicherma�en ihre Spuren hinterl�sst.
Wie etwa Hinduismus ist auch Satanismus ein blo�er Sammelbegriff f�r verschiedene geistige und oftmals okkulte Str�mungen, die meist nur �sthetische Aspekte gemein haben. Jene Begrifflichkeit von Satanismus, die die Church of Satan in den letzten 40 Jahren gepr�gt hat, war aber vollkommen neu. Denn die Church of Satan leugnet die Existenz Satans. So entt�uscht LaVey gleich zu Beginn der �Satanischen Bibel� alle Spiritisten und Hobbyzauberer, indem er klar macht, dass er nicht an den Teufel glaubt. Genauso wenig wie an die Existenz Gottes oder anderer Geistwesen. Satan und satanische �sthetik dient LaVey nur als Symbol und Gef��, um den Menschen an seine eigene vermeintliche G�ttlichkeit zu erinnern. In der heiligen Schrift ist Satan der Widersacher Gottes, der sich nicht unterordnen will, der nicht einsieht, dass er sich gegen�ber Gott in Demut �ben soll. Damit stellt die Figur des Satans f�r LaVey das perfekte Vorbild f�r m�ndige Menschen dar. Eine �bereinstimmung mit dem britischen Magier Aleister Crowley, der Zeit seines Lebens predigte, dass der eigene Wille das �ganze Gesetz des Menschen� sein solle.
�Satanismus bedeutet Freundlichkeit gegen�ber denen, die sie verdienen, anstatt Liebe an Undankbare zu verschwenden� Anton Szandor LaVey, �Die Satanische Bibel�
In der �Satanischen Bibel� erarbeitet Anton LaVey mit einem betont l�ssigen Schreibstil eine Gebrauchsanweisung f�r das Leben, das ganz klar einen rationalen Egoismus als hehres Prinzip preist. Interessanterweise haben auch N�chstenliebe, G�te oder Mitgef�hl Platz in LaVeys Philosphie. Denn wenn es Leuten gut geht, die man mag, dann geht es einem selbst auch gut, schreibt er pragmatisch. �Die Satanische Bibel� ist ein �hnlicher Balanceakt wie die Person LaVey selbst. Schrill aber gleichzeitig n�chtern. Manchmal vordergr�ndig naiv, aber immer nachhaltig. Man k�nnte LaVeys eigentlich simple Lehre auf den ersten Blick als freundlichen Darwinismus bezeichnen.
Eine Sichtweise, mit der Peter H. Gilmore, Nachfolger LaVeys als Hohepriester der Church of Satan, nicht ganz einverstanden ist: Die Philosophie des modernen Satanismus bestehe darin, danach zu streben immer das Beste aus seiner Situation und seinen M�glichkeiten zu machen, erkl�rt er. Egal in welchem physischen Zustand oder in welcher unbequemen Lage man sich befinde. Deshalb richte sich die Church of Satan� auch weder an eine spezifische Elite, noch w�rde sie danach trachten Menschen nach irgendwelchen Merkmalen zu unterscheiden, und schon gar nicht sei die Kirche rassistisch. Es stimme zwar, dass die Church of Satan vor allem ein intellektuelles Publikum interessiere, aber Intellekt sei nun eben auch die Vorraussetzung daf�r, ein Leben als moderner Satanist zu f�hren.
�LaVey sagt: Der St�rkere m�ge �berleben, der Schwache ist wertlos. Das Individuum ist stark, nicht die Gemeinschaft.� Marc Almond
Anton Szandor LaVey und seine satanische Bibel wurden mit offenen Armen im okkulten Underground begr��t. So wurde LaVey zum Beispiel als Berater in Roman Polanskis Klassiker �Rosemarys Baby� engagiert und er spielte im Film auch gleich selbst mit � als der Teufel. Und dass sich die gesamte Metal- und Gothic-Kultur zu einem gro�en Teil auf LaVey bezieht, steht ebenso au�er Frage. Aber auch abseits der einschl�gigen Genres nimmt LaVey kontinuierlich Einfluss auf Kunst, Entertainment und Lebensstil. Die Church of Satan erfreut sich vieler prominenter und recht unterschiedlicher Mitglieder und Sympathisanten wie etwa Sammy Davis Jr., Marc Almond oder Marilyn Manson. Und selbst wenn Marilyn Manson wie ein Kasperl aus der Wiener Geisterbahn daherkommt, darf das neo-satanische Gedankengut, das er nun schon seit einer Vielzahl von Jahren verbreitet, nicht untersch�tzt werden. Gemeint ist damit die lustvolle und selbstbewusste Gestaltung des Alltags. Dass ein Kaliber wie Manson daf�r Zutaten aus dem Harry-Potter-Setzkasten verwendet, hat wohl nur mit seiner pers�nlichen Schw�che f�r Trash zu tun.
�Anton LaVey predigt, dass der Mensch lernen muss, sich selbst zu verehren. Der Mensch allein tr�gt die Verantwortung f�r sein Schicksal, f�r sein Wohl und sein �bel.� Marilyn Manson
Bleibt nur noch die Frage, warum denn die atheistischen J�nger der Church of Satan Magie treiben, schwarze Messen feiern und im Falle ihres Gr�nders Anton LaVey angeblich in der Lage sind Fl�che auszusprechen, wenn sie doch gar nicht an die Existenz des Teufels glauben? Auch das wei� Peter H. Gilmore schnell zu erkl�ren: Schwarze Messen, magische Rituale und satanisches Image werden als Psychodrama gebraucht. Genauso gut k�nne man mit einer v�llig anderen Ausstattung arbeiten � aber es finde sich nun mal kein besseres Sinnbild f�r Individualit�t als der Satan. Wenn Magie funktioniere, dann sei das der Leistung des Praktizierenden zuzuschreiben und irgendwann wohl auch einmal wissenschaftlich erkl�rbar. Und so entpuppt sich �Die Satanische Bibel� von Anton LaVey als rationaler, moderner �berlebenskampf, weniger hart als ein durchschnittliches Marketingkonzept. Demzufolge hat Hohepriester Peter H. Gilmore also durchaus recht: Das neue Jahrzehnt ist ein teuflisches, ein hedonistisches und noch nie gab es so viele Satanisten.
Anton Szandor LaVey starb am 29. Oktober 1997 in San Francisco.