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Hellgate: London
Die vielleicht gr��te Herausforderung im Leben besteht darin, mit gro�en Erfolgen umzugehen. Und zwar nicht dann, w�hrend sie stattfinden, sondern lange nachdem sie passiert sind. An die Sternstunden des eigenen Schaffens ankn�pfen m�chte jeder, der einmal das s��e Gef�hl der scheinbar grenzenlosen Anerkennung gesp�rt hat. Allzu verst�ndlich. Nachhaltig wiederholen lassen sich Erfolge allerdings nur mit zwei Kernzutaten: Gelassenheit und Mut zu neuen Ideen.
Beides scheint die Chefetage der kalifornischen Spieleschmiede Flagship Studios nur in sehr geringen Ausma�en zu besitzen. Wie sonst w�rden sie von der Idee �berzeugt sein, dass auch Jahre nach den spielerisch zwar stupiden, aber f�r ihre Zeit schlau und intuitiv designten Computer-Rollenspielen �Diablo� (1997) und �Diablo II� (2000) die gleichen Spielstrukturen wie damals, eins zu eins in die Gegenwart transferierbar sind? Genau unter dieser Stagnation leidet �Hellgate: London�.
Wir laufen als SpielerIn durch sterile Verliese im postapokalyptischen London, die mittels Zufallsprinzip erstellt werden, klicken monoton auf kleine und gro�e Viecher, die sich uns in den Weg stellen und reden mit steif in der Gegend stehenden Nicht-Spieler-Charakteren, die sich uns nur mittels Text mitteilen. Nein, stimmt nicht ganz: Wenn man sie anklickt, wird � ebenfalls per Zufallsprinzip � ein generisches Sprachsample abgespielt. Solch simplifizierte Methoden zur Umsetzung eines Rollenspiels am Computer, auf denen �Hellgate: London� basiert, sind vor vielen Jahren entstanden, als Games aufgrund technischer Einschr�nkungen nicht anders umzusetzen waren.
Im Jahr 2007 allerdings, wo einem als Entwickler in diesem Bereich alle M�glichkeiten offenstehen, immer noch auf diese fundamentalen, atmosph�risch unzureichenden Mechanismen zur�ckzugreifen und sie dann blo� mit zeitgem��er Grafik und ansprechenden Charakteren zuzukleistern, ist eine merkw�rdige Entscheidung. Bereits nach einer halben Stunde ist man dem h�llischen London �berdr�ssig � und �rgert sich dar�ber. Es ist die Entt�uschung �ber die Tatsache, dass ein Computerspiel, in das vorab hohe Erwartungen gesteckt wurden, sich so vehement gegen jegliche Form der Innovation und des Experiments wehrt.
Es ist das Unverst�ndnis �ber ein erfahrenes Entwicklerteam, das den spielerischen Fortschritt negiert und stur die eigene, alte Rezeptur wiederverwertet. Es ist der Frust �ber ein Game, mit dem man so gerne Spa� gehabt h�tte, das aber ohne jeden Esprit daherkommt und dessen sperriges Interface mit dem grob gerasterten Inventar man schon vor f�nf Jahren satt gehabt hat. Trotzalledem wird Flagship Studios der Erfolg mit �Hellgate: London� nicht verwehrt bleiben.
Die Gruppe der Monsterj�gerInnen, die Zahlenspiele bei Charakterwerten, das Jonglieren mit Zauberf�higkeiten und das Sammeln virtueller Waffen sch�tzen, ist gro� � das beweisen �ber acht Millionen aktive �World of Warcraft�-Spieler. Aber: �Hellgate: London� ist kein Online-Spiel, sondern in erster Linie ein Einzelspieler-Erlebnis. Und genau deshalb ist der Verzicht von Atmosph�re und Immersion zugunsten einer funktionellen, aber spr�den Spielmechanik hier so unverzeihlich.
System: PC
Hersteller: Flagship Studios / EA