|
|
||
US-Videospielindustrie will politischen Einfluss verstärken
Zu diesem Zweck kündigte Michael Gallagher, Chief Executive der in Washington für das Lobbying zuständigen Entertainment Software Association (ESA), nun die Einrichtung eines eigenen "Political Action Commitees" (PAC) an. Dieses soll ab Ende März über die Vergabe von Spendengeldern an Branchen-wohlgesinnte Politiker und Wahlkandidaten entscheiden. Ein derartiges Vorgehen ist an sich nichts Neues, ähnliche Gremien unterhalten auch die Film- und Musikindustrie. Im Fall der Videospielbranche ergeben sich die Gründe für ein politisches Engagement aber vor allem dadurch, dass die gewachsene Spielergemeinde sich in den letzten Jahren verändert hat: Der durchschnittliche Gamer ist mittlerweile an die 30 Jahre alt, geht wählen und ist daher aufgrund seines politischen Potenzials auch für das Lobbying interessant geworden.
"Wir werden Ende des Quartals damit beginnen, Schecks an politische Kampagnen auszustellen", erklärte Gallagher letzte Woche. Dies sei ein wichtiger Schritt im Zuge des politischen Reifungsprozesses der Videospielindustrie, den man nun bereit sei zu gehen. "Es geht darum, all jene am Capitol Hill ausfindig zu machen und zu unterstützen, die der Spielbranche wohlgesinnt sind, sodass sie dann auch uns unterstützen", fasst Gallagher die Motivation hinter der aktuellen Strategie zusammen. Das PAC werde wahrscheinlich zwischen 50.000 und 100.000 Dollar in diesem Jahr an nationale Politkandidaten stiften. "Im Vergleich zu ähnlichen Komitees der Film- und Musikindustrie ist dieser Betrag durchaus angemessen", meint der Branchenvertreter.
Hintergrund für das geplante politische Engagement ist wohl auch ein genereller Umdenkprozess, der derzeit in der Videospielindustrie stattfindet. So beginnt man sich zunehmend dem politischen Potenzial der Gamer-Gemeinde bewusst zu werden und sucht nach Wegen, dieses für sich selbst nutzbar zu machen. Entscheidender Aspekt hierbei: Das bisherige Stereotyp des Spielers im Teenager-Alter trifft heute nicht mehr zu. Vielmehr sind es immer mehr ältere Menschen, die Videospiele für ihre Unterhaltung in der Freizeit nutzen. Den Hauptgrund für diese Entwicklung sehen Experten neben einfacher werdenden Bedienungssystem auch in dem Umstand, dass Videospiele nun schon über viele Jahre existieren und zu einem fixen Teil der Gesellschaft geworden sind. "Jede nun nachkommende Generation besteht aus Menschen, die mit Videospielen aufgewachsen sind", sagt etwa Wade Tinney, Spiele-Designer aus New York.
Umgekehrt beginnt sich nun auch die Politik aufgrund der geänderten Verhältnisse stärker mit dem Thema Videospiele auseinander zu setzen. Laut Gallagher haben im November vergangenen Jahres 36 Kongressmitglieder und rund 300 Angestellte eine Aufnahme der Videospielindustrie in Washington befürwortet. Dies sei ein eindeutiger Ausdruck für die positive, unterstützende Haltung, mit der man der Branche nun auch am politischen Sektor begegnen wolle.