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Jugend ohne Mauer: Ostberliner auf Identitätssuche
"Es geht mir darum, zu beschreiben, wie die Jugendlichen der 90er Jahre ihre Situation im Großstadtdschungel bewältigen", so Brien gegenüber pressetext. "Das Spezielle ist die Ausgangslage der Berliner Protagonisten, die alle in der DDR groß geworden sind. Nach dem Mauerfall kämpfen sie nun an, im wieder vereinten Deutschland Fuß zu fassen", erklärt der Schriftsteller. "Einerseits ist es die fehlende Basis, die mit dem Ende der DDR weggebrochen ist, andererseits ist es auch die Neuorientierung, die den Weg zum Erwachsenwerden und damit zum Ernst des Lebens beschreibt."
"Jugend in der DDR war gekennzeichnet durch ein Gefangensein im System. Nachdem dieses dann weggebrochen ist, war man mit der neu gewonnenen Freiheit allein gelassen", schildert Brien den Hintergrund seines teilweise autobiografischen Textes. Für Jugendliche von heute habe der Text durchaus auch Relevanz, weil es vielerorts nicht mehr vorstellbar sei, wie sich die Situation damals angefühlt habe. Nach dem Schulabschluss steht Dirk, Harke und Steffi das ganze Leben offen. "Das passiert ja tausenden Jugendlichen jedes Jahr, dass sie die Schule beenden. Das Besondere an den drei Darstellern ist eben noch die brisante Situation der Zeitgeschichte. So gesehen handelt es sich um eine doppelte Umbruchszeit."
"Szenen einer Großstadt" erzählt in emotionsloser und lockerer Sprache die Erlebnisse der drei jungen Menschen. Untermalt wird der Text von Gedichten und Liedtexten. "Es erinnert an jene Tage, in denen wir den Eindruck hatten, dass alles gewonnen, aber auch alles auf einmal verloren gehen konnte", erklärt Brien. "Wir sind irgendwo dazwischen. Die Frage ist nur wo genau." Der Roman sei nur "relativ" abgeschlossen, meint der Autor. "Im Epilog steht eine Variante, wie diese Geschichte hätte ausgehen können und wie die Hauptdarsteller dann schließlich selbst Eltern geworden sind."
Brien, der am 13. September 1977 geboren wurde, studierte 1997 bis 2003 ältere Deutsche Literatur und Sprache sowie Bibliothekswissenschaften. Seit 2003 ist er als Redakteur tätig. Der Autor hat sein zweites Werk - ein Buch für Kinder ab zwölf - mit dem Arbeitstitel "Tom groß auf Fahrt" kürzlich fertig gestellt. "Auch in diesem Buch habe ich versucht, brandaktuelle Probleme wie Trennung der Eltern und Schulprobleme einzubauen." Toms Vater, der mit seiner neuen Frau nach Italien zieht, hält sein Versprechen mit seinem Sohn in Kontakt zu bleiben nicht. Die Mutter mit der Tom in Berlin lebt, stellt dem Jungen in Aussicht, dass er seinen Vater besuchen könne, wenn er die Schulstufe positiv abschließt. Tom schafft die Abschlussprüfung jedoch nicht. Er nimmt daraufhin Reißaus von zu Hause und schlägt sich allein nach Italien durch. Für sein neuestes Werk, das in Kürze erscheinen soll, ist Brien noch auf der Suche nach einem geeigneten Verlag.