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The Rifles: Die Knarren hoch!
Ein Anruf bei der Londoner Festnetznummer von Luke Crowther, dem üblicherweise Hut und Sonnenbrille tragenden Gitarristen der Rifles: Nein, Luke sei leider nicht hier, sagt eine freundliche, ältere Frauenstimme mit eindeutig mütterlicher Fürsorge im Tonfall. Der wäre mit den anderen Burschen ins Studio gefahren, um irgendwas an dem neuen Album herumzufeilen, bevor sie wieder auf Tour gehen: "Sein anderes Telefon brauchen Sie gar nicht erst anzurufen. Er hat das Ladegerät im Proberaum vergessen, und jetzt liegt es hier bei mir. Dead as a doornail. Ich kann Ihnen aber die Nummer vom Sänger geben."
Danke freundlichst. Die Vorstellung von Mama Crowther als Anlaufstelle für Interviewer passt zum bodenständigen Image der Rifles als einer Art Hausband der Londoner Vorstadt-Community. Ende September werden sie ihre Heimat aber auf Einladung von TBA verlassen müssen: Für drei Gigs in Graz, Wien und Salzburg. Ein guter Anlass, einmal etwas mehr über die wundersame Welt der Rifles zwischen dem Pub an der Ecke und dem Hunderennstadion nebenan herauszufinden. Ich hinterlasse also eine Nachricht auf Joel Stokers Handy. Anderthalb Stunden später ruft er zurück.
Ihr seid immer noch im Studio? Ich hab ja schon zwölf fertige Songs von eurem neuen Album zu hören gekriegt ...
Joel Stoker: Nein, ganz fertig waren die noch nicht. Und diese eine Nummer "The General" war da ja noch gar nicht dabei. Die ist ein bisschen ausgefallener arrangiert als gewohnt und braucht mehr Arbeit.
Was ich bisher gehört habe, deutet tatsächlich auf eine gewisse Öffnung des Klangbilds hin. Hat das was mit dem Produzenten Jan "Stan" Kybert zu tun?
Nein, wir hatten die Demos schon im Proberaum so aufgenommen, da war noch gar kein Produzent dabei. Wir haben diesmal viel von der Musik geschrieben, bevor noch die Songs da waren und taten dann erst die Stimme drüber. Das hat alles ein bisschen freier und interessanter gemacht.
Auf YouTube ist ein altes Interview zu sehen, in dem ihr behauptet, drei von euch hätten früher in einer "experimentellen" Band gespielt, die "eher scheiße" gewesen sei.
Vielleicht war es gar nicht wirklich so scheiße. Es war eben ein bisschen mehr dubbig.
Reggae im Sinn der Specials?
Nein, mehr richtiger Dub als Ska. Aber das Interview, von dem du sprichst, ist ja bald drei Jahre alt.
Ja, das ist noch aus der Zeit, als euer erstes Album "No Love Lost" herauskam. Ich fand es nur interessant, weil ihr ja so ausseht, als hättet ihr immer schon zu jener Schule englischer Gitarrenbands gehört, die sich von der Mitte der 60er über die Neo-Mod-Welle der späten 70er und den Brit-Pop der 90er bis heute fortgesetzt hat.
Ja, da gehören wir auch hin. Wir haben diesen Zugang weitergeführt und uns dabei musikalisch auch ein bisschen in andere Richtungen vorgewagt, aber Luke und ich waren immer schon Typen, die auf Beatles-artige Songs stehen.
Ihr seid zudem ja noch eine dezidiert Londoner Band.
Ja, wir sind aus Chingford im Nordosten von London.
Also gleich ums Eck vom Hunderennstadion von Walthamstow.
Ja, das hat gerade erst zugesperrt. Es ist eine Schande. Ich hatte selbst ein paar Jobs dort. Zuerst hab ich von den Tribünen und Tischen die leeren Trinkgläser abgesammelt, da war ich noch sehr jung.
Was? Genauso wie David Beckham?
Ja, ich war sein direkter Nachfolger in diesem Job. Ich spielte auch beim selben Fußballklub wie er, also kannte ich ihn, bevor er weltweit im Einsatz war.
Nicht wirklich, oder?
Aber sicher doch! Er ist ein Chingford Boy, verstehst du? Ich hab ihn jetzt schon acht oder neun Jahre nicht gesehen. Er ist sehr beschäftigt.
Ich hab davon gehört ...
Nachher hab ich im Hunderennstadion jedenfalls noch Jobs beim Reinigungspersonal angenommen, damit ich weiter meine Musik machen konnte. Am Morgen ging ich aufwaschen, und den Rest des Tages hatte ich frei zum Musikmachen. Und jetzt ist der Laden zu. Es ist ein Teil des Londoner Lebens, der für immer verschwindet. Die Welt, in der wir aufgewachsen sind.