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Der grantige Trinker – ein geselliger Misanthrop?
Ohne den Anschein erwecken zu wollen, eine sich kontinuierlich erweiternde Sozialstudie der verschiedensten Charaktere, die einem während durchfeierter Nächte und vergnüglichen Ausgängen begegnen, durchzuführen – die Auseinandersetzung mit den Subjekten der Nacht erscheint als durchaus legitim und es liegt auf der Hand, dass so manches Naturell auffällig oft anzutreffen ist. Neben dem Türsteher (an dieser Stelle bereits besprochen) ist auch der grantige Trinker ein solches. Dieser – und hier wird nach langwieriger Feldstudie bewusst das generische Maskulin verwendet – ist einer der ledernen Art. Ledern wie Charles Bronson. Zäh. Geerdet. Ein Antiheld. Im Herzen gebrochen. Ein einsamer Wolf, der von Seidel zu Seidel streunt und nur darauf wartet, sein Seelenleid an seine Umwelt weiterzugeben.
Begegnet einem der grantige Trinker in der Küche der Party, am Rand der Tanzfläche im Club, oft auch am Tresen der Bar, dann ist Obacht angesagt. Denn seine Mitleidstour hat es in sich. Meistens entpuppt sich der im ersten Augenblick als scheuer Eigenbrötler definierte Zeitgenosse nämlich als mitteilungsbedürftiger Wasserfall. Nachdem der grantige Trinker eine Stunde Weltverschwörungstheorien von sich gegeben und das schwarze Loch groß geredet hat, sitzt du da – grantig, ledern, zäh, geerdet, im Herzen gebrochen. Weil dir der grantige Trinker gerade den Abend versaut hat und du jetzt nur noch auf die Apokalypse warten kannst. Der grantige Trinker jedoch lächelt dich an und nippt an der Cola ohne, die er sich gerade bestellt hat. „Immer diese gutgelaunten Menschen“, grummelst du und bestellst dir noch ein Bier ...
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