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Der gebildete Kranke
Die Zeit der großen Erzählungen – ist sie wirklich vorbei? Christoph Schlingensief, der mit Aktionen wie dem „Ausländer raus!“-Container in Wien für viele in der Provokation zuhause ist, zeigt sich am Burgtheater mit einem unvergleichlich persönlichen Werk über seine Krebserkrankung von einer anderen Seite.
Dem Tod wird in drei Akten auf verschiedenste Art begegnet: Mal wird ihm der vermeintlich erfolgreiche Kampf mit einer neuartigen Wellness-Ayurveda-Kur angesagt, mal scheint der dionysische Exzess die Lösung zu sein und schließlich beschließt der Protagonist Schlingensief (gespielt von Joachim Meyerhoff) ein Festspielhaus in Afrika, wo sich die untergehende europäische Kultur und die aufstrebende afrikanische austauschen sollen, zu errichten.
Der Austausch erweist sich als ein zentrales Thema in „Mea Culpa“. Versatzstücke aus „Parsifal“, „Tristan und Isolde“, Texte von Leonard Cohen oder dem Philosophen Jean Luc Nancy sowie die von Schlingensief werden miteinander verwoben. Ganz im Sinne des Bachtinschen Karnevals werden Normen auf den Kopf gestellt: Die grell-extraordinären Kostüme von Aino Laberenz und die Drehbühne von Janina Audick bringen den Alltag ins Wanken. Laien werden zu Profis, Afrika zum Zentrum der Hochkultur und schließlich landet der Protagonist wieder bei sich selbst. Sterben, das „mag er noch nicht“.
Der groteske Augenschmaus lässt den Zuseher nicht unversehrt nach Hause gehen. Die Frage nach dem "Warum" umkreist die thematischen „Evergreens“ Krankheit und Tod. Monumental – und das ist gut so.