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Musikindustrie setzt auf Gratisdownloads in China
Google erhofft sich von der Kooperation in China, mehr Traffic auf seinen Seiten zu erzielen und neue Werbekunden anzulocken. Die Labels wiederum glauben, statt mit einzelnen Downloads, mit Onlinewerbung entsprechendes Geld einnehmen zu können. Analysten sagen, dass die Partnerschaft richtungsweisend dafür sein werde, welchen Wert Online-Content in China künftig haben wird, berichtet die New York Times. Ein Punkt, der angesichts dessen, dass China mittlerweile als weltweit größte Internetnation gilt, von Seiten der Musikindustrie sowie von Google nicht außer Acht gelassen werden kann.
Bis dato war China eines der Ursprungsländer von Onlinepiraterie und kostenlosen Downloads in allen Bereichen - Musik, Film und TV. Laut Untersuchungen der International Federation of Phonographic Industries (IFPI) verletzen 99 Prozent der in China heruntergeladenen Musik das Urheberrecht. Gerichtsverfahren und Verbesserungsversprechen der chinesischen Regierung blieben zumeist wirkungslos. So wagt die Musikindustrie nun den ungewöhnlichen Schritt und scheint bereit dazu, Musik in China tatsächlich kostenlos verfügbar zu machen. Der Level von Onlinewerbung sei in China so ausgereift, dass man bereit sei, einen solchen Schritt zu versuchen, so Sandy Monteiro, Senior Vice President bei Universal Music.
"China ist vor allem im Internet- und Handy-Musikbereich ein wichtiger Markt. Hier befindet sich die Nation unter den Top Ten weltweit, während der physische Tonträgermarkt nur an 34. Stelle liegt. Mit dem neuen Angebot soll der Digitalmarkt in China gestärkt und gleichzeitig der illegale Markt zurück gedrängt werden", erläutert IFPI-Sprecher Thomas Böhm gegenüber pressetext. Im sich derzeit rasch wandelnden Musikmarkt würden viele verschiedene Zukunftsmodelle angeboten. Typisch für den Digitalmarkt sei auch, dass neue Geschäftsmodelle nach dem Prinzip von "trial and error" entwickelt würden. "Unterschiedliche Märkte erfordern auch unterschiedliche Angebote. Welche Modelle sich in welchen Regionen durchsetzen, wird die Zukunft zeigen. Das Google Music Search Experiment bleibt vorerst jedenfalls auf China beschränkt", ergänzt Böhm.
Mit vereinten Kräften wollen Google und die internationale Musikindustrie in China auch der führenden Suchmaschine Baidu Konkurrenz machen. Gerade Baidu profitierte in der Vergangenheit davon, Links zu kostenloser, unlizenzierter Musik zur Verfügung zu stellen. Die chinesische Webseite beharrt allerdings darauf, ein simpler Suchdienst zu sein und Piraterie in keiner Weise zu unterstützen. Nach wie vor ist Baidu in China weitaus populärer als der internationale Konkurrent Google. Laut Analysten könnte sich das nun gerade aufgrund des neuen Musikservices ändern. Google habe den entscheidenden Punkt begriffen. "Sie müssen den Zugang zu Downloads öffnen, um mit den chinesischen Unternehmen mithalten zu können", meint Ma Xiushan von der China Intellectual Property Society in Peking.
Google setzt darauf, dass mit dem Angebot von kostenloser, qualitativ hochwertiger und virusfreier Musik mehr Nutzer angelockt und Baidu infolge Marktanteile abgerungen werden können. Für die Labels, die durch die Onlinepiraterie bereits Hunderte Mio. Dollar verloren haben, bietet die Partnerschaft zumindest einen gesicherten, regelmäßigen Einnahmenfluss. Ob und wie gut das Konzept aufgehen wird, bleibt abzuwarten. Nicht jeder glaubt an den Erfolg der neuen Partnerschaft. "Googles Schritt verbrennt nur Geld, um mit Baidu zu konkurrieren", meint etwa Guo Chunlong, Gründer der Musikplattform yobo.com. Werbeeinnahmen mit den Musikfirmen aufzuteilen sei kein nachhaltiges Business-Modell.