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GameJew, Minnes�nger der Videospiel-Kultur
Mein Freund S. hat eine Vision. Er m�chte, dass alle Geeks und Nerds dieser Welt aus ihrer zur�ckgezogenen Lebenswelt hervortreten und ihre Kultur stolz und selbstbewusst leben. Sie sollen sich mit ausgestreckter Brust der �ffentlichkeit pr�sentieren, im sicheren Gewissen, dass ihre subkulturellen Gepflogenheiten ebenso eigenst�ndig und wertvoll sind wie die anderer Szenen. S. selbst tut alles daf�r, dass die sanfte Revolution der Computer-Cracks und Game-Geeks stattfindet. Doch bislang ist es bei der Vision geblieben. Oder? Seit Mitte 2006 geistert ein gut aussehender, junger Mann durchs Video-Web, der stets rote Latzhosen und eine Super Mario-M�tze tr�gt � jedoch kein T-Shirt �ber der schwarz behaarten Brust. Denn er ist nicht Mario, er ist der GameJew.
�I�ve been writing 40 songs about the Nintendo Wii. Here I sing a few of them each week.�, begr��t er die Zuseher in der ersten Folge seines Video-Weblogs. Zu seinen Liedern folgen Huldigungen an den japanischen Videospiele-Stardesigner Shigeru Miyamoto und den US-amerikanischen Songwriter Jonathan Richman. �You should listen to Jonathan Richman because he is a lot like Miyamoto. They both have enormous hearts, full of fun and good will towards everybody. And never content to do things the way everybody else is doing it.� � Was der GameJew mit der Ansage damals nicht wusste: Mit dieser Reflexion seiner Vorbilder hat er gleichzeitig eine perfekte Selbstbeschreibung abgeliefert.
Begonnen hat die ungew�hnliche Vermischung von angewandter Kunst, Musik und Videospiel-Kultur 2005, als Jonathan Mann � so GameJew�s b�rgerlicher Name � am California Institute of the Arts die Arbeit an seiner Diplomarbeit aufnimmt. �The Mario Opera� wird das Werk genannt und erz�hlt die glorreiche, aber auch peinigende Geschichte von Super Mario, der es leid ist, immer und immer wieder die Prinzessin vom b�sen Koopa-K�nig zu befreien. Alle bekannten Gegenst�nde und Wesen des Videospiels werden bei der Mario Oper mit Hilfe jeder Menge Hartkarton und Farbe sowie selbst produzierten Kost�men und Requisiten auf die B�hne gebracht.
Weil Jonathan Mann die Klasse f�r Creative Writing besucht, schreibt er die gesamte Oper selbst � auch die dazugeh�rigen Songs, die der musikalische Autodidakt auf seiner Gitarre selbst komponiert und - gemeinsam mit einem Ensemble - interpretiert. Mehrere Monate und zahlreiche Vorf�hrungen sp�ter hat Mann allerdings nicht nur ein abgeschlossenes Master-Studium, sondern auch vom Theatermachen vorl�ufig genug. Blo� die rote Stoffm�tze und die Latzhose will er noch nicht in die hintere Ecke seines Kleiderschranks verbannen - vielleicht kann man sie ja andersw�rtig gebrauchen. Tats�chlich startet bereits wenige Wochen sp�ter der skurrile Solo-Ableger der Mario Oper. �I was just thinking about what I would call myself. Of course, I�m a guy, so I thought GameBoy, but that�s taken. GameGuy and GameMale sound sort of stupid. Then I was like: Well, what else am I? I�m jewish, so GameJew just popped into my head.�
Seit Mitte 2006 geistert ein gut aussehender, junger Mann durchs Video-Web, der stets rote Latzhosen und eine Super Mario-M�tze tr�gt � jedoch kein T-Shirt �ber der schwarz behaarten Brust. Denn er ist nicht Mario, er ist der GameJew.
Einhalb Jahre danach, und GameJew ist von einem spontanen Experiment zu einem Fulltime-Job geworden. Vielleicht kommt Jonathan Mann als GameJew deshalb so in Fahrt, weil er hier bewusst die eigene Pers�nlichkeit mit seiner Kunstfigur verschwimmen l�sst.