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Paperbird und Marilies Jagsch: Von Bettdecken und Regenw�rmern
Der Sch�del eines Zwergelefanten ist immer noch bedeutend gr��er als der eines Menschen, und dort, wo man die Augen vermuten k�nnte, befindet sich eine �bergro�e Nasen�ffnung. Kein Wunder, dass die Fantasie jener Menschen, die vor �ber 3.000 Jahren derlei Skelett�berreste in H�hlen vorfanden, wilde Bl�ten trieb und man sich einen Riesen mit nur einem Auge ausmalte � den Zyklopen. Dass es Zyklopen nur in der griechischen Mythologie gibt, darf man als gesichert voraussetzen, und auch die Existenz des Zwergelefanten ist wissenschaftlich nicht ganz unumstritten.
Hier kommt die Kryptozoologie ins Spiel: Sie erforscht Lebewesen, die im f�r den Menschen Verborgenen leben, unter Umst�nden ausgestorben und mitunter Vorlage f�r so manches Fabelwesen, etwa Drachen, Yetis, Einh�rner oder das Monster von Loch Ness, sind. Zwerg-elefantensch�del + ausgepr�gte Vorstellungskraft = Zyklop also.
�Cryptozoology� hei�t das zweite Album von Anna Kohlweis alias Paper Bird. �Ich habe eine Vorliebe f�r sch�ne W�rter; dieses Wort fand ich super, weil es vier Os drinnen hat�, sagt sie. Mit akustischen Gitarren, allerlei Schlagwerkzeugen, Glockenspiel und jedem erdenklichen Instrument, das ihr in die Finger kam, nahm sie den Nachfolger ihres vor zwei Jahren erschienen Deb�ts �Peninsula� wieder komplett alleine im Schlafzimmer auf: �Fr�her habe ich �ber mich und meinen Laptop eine Bettdecke gebreitet, und so habe ich dann aufgenommen. Mittlerweile habe ich die Bettdecke �ber zwei Regale gespannt und dahinter noch eine Decke, das ist dann fast schon eine Aufnahmekabine.�
Die in Wien lebende Klagenfurterin kommt aus demselben Netzwerk, aus dem auch Go Die Big City!, A Thousand Fuegos (bei beiden hat sie mitgespielt) oder Vortex Rex sowie die Labels Fettkakao und Seayou stammen, letztlich ein Verbund junger Menschen mit Hardcore-Hintergrund, die abseits aller ausgelatschten Pfade Musik machen und einander unter die Arme greifen. �Ich glaube nicht, dass ich, w�re ich in Klagenfurt geblieben, irgendetwas von alldem getan h�tte, weil dort eine ganz andere Atmosph�re herrscht. In Wien wurde in diesem Hardcore-Umfeld viel gemacht, und diese Leute sind so enthusiastisch: Die stellen einfach Sachen auf die Beine, praktisch ohne Geld. Und wenn jeder irgendetwas macht, sitzt man da und denkt sich: �Jetzt muss ich auch einmal irgendetwas machen.��
Dass Anna ihr Album �Cryptozoology� genannt hat, hat nicht nur mit den oben erw�hnten vier Os zu tun. Die Vielschreiberin � meist erst Text, dann Melodie � erkl�rt: �Texte zu schreiben und die Geschichten, die dahinter stecken, das ist auch immer so eine analytische Sache � das totale Analysieren von menschlichen Beziehungen und Situationen. Als ich die Texte zu den Liedern durchgesehen hab, die ich aufnehmen wollte, sind mir Parallelen aufgefallen, die immer etwas zu tun haben mit � ich will nicht sagen: dem Animalischen im Menschen � aber mit gewissen Metaphern; mir ist aufgefallen, dass sich das durch das ganze Album zieht, dass auch immer Tiere vorkommen � die Verschmelzung von Tieren und Menschen.�
Wie Anna Kohlweis ist auch Marilies Jagsch Jahrgang 1984, studiert Theaterwissenschaften und ist aus einem anderen Bundesland (Ober�sterreich, genauer: Ried) nach Wien gezogen; auch sie arbeitet lieber alleine, l�sst ihre Songs vorwiegend mittels Gitarre und ebenso einzigartiger Stimme wirken und verf�gt �ber ein Netzwerk aus Freunden.