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Dave Gahan: �Wir werden erzogen, in Angst zu leben"
�Hourglass�, der Titel deines neuen Albums, ist eine Metapher auf die Zeit, die langsam ausrinnt. Deine Zeit?
Ja, mir wird klar, dass ich nicht ewig Zeit haben werde. Ich hab keine Angst vor dem Altwerden, denn ich werde innerlich immer friedvoller. Ich f�hle mich geborgen bei meiner Familie und vermisse sie sehr, wenn ich wegfahre. Das ist ein tolles Gef�hl, tats�chlich Leute zu vermissen. Fr�her versuchte ich immer alles zu sabotieren, was ich mir erschaffen hatte. Das liegt mir heutzutage nicht mehr.
Glaubst du, dass das etwas mit der �berwindung der Traumata deiner eigenen Kindheit zu tun hat?
Sicher. Ich besuche regelm��ig einen Psychiater in New York. Ich habe jahrelang Therapien durchgemacht. Aber man begreift das alles erst wirklich, wenn man die einzelnen Puzzle-St�cke wieder zusammensetzt. Schon als kleines Kind beschloss ich, dass man niemand vertrauen kann.
Als du herausfandest, dass dein wahrer leiblicher Vater die Familie verlassen hatte?
Ja, und mein Stiefvater starb au�erdem noch. Eine Turbulenz und Unsicherheit schlich sich in mein Leben ein. Ich f�hrte das weiter, bis ich in meiner Band das perfekte Versteck fand. �ber die letzten zehn Jahre habe ich gelernt, mich von meiner verwundbaren Seite zu zeigen. Ich beginne endlich, meine eigene Stimme zu finden.
Du bist ja ein Getriebener, der es sichtlich nicht aush�lt, bis zum n�chsten Depeche-Mode-Album zu warten.
Ich habe immer das Gef�hl, etwas aufholen zu m�ssen. Ich will mich nicht einfach zur�cklehnen und sagen: Ich bin in dieser Band, wir sind sehr erfolgreich, ich kann entspannt mein Leben genie�en. Ich hab keine Ahnung, was Entspannung bedeuten soll, aber ich beginne, es herauszufinden: Die Kinder zur Schule bringen, die Treffen des Eltern- und Lehrervereins, das wundersch�ne Haus, das wir drau�en am Strand haben und die Zeit, die wir dort verbringen. Ich beginne, mich dabei wohlzuf�hlen. Au�erdem habe ich mein Studio in New York, wo ich mit Andrew Philpott und Christian Eigner arbeiten kann.
Es gibt ein paar faszinierende Aufnahmen auf Youtube, wo man dich im Studio den Bass spielen sieht. Da ist eine Art Band-Feeling vorhanden, oder?
Oh ja, aber da wollte ich nur Andrew auf die Nerven gehen, w�hrend er sich auf etwas anderes zu konzentrieren versuchte. Das erinnert mich auch an all die Jahre, die wir bei Depeche Mode miteinander verbrachten. Da wurde viel gelacht, was nicht unbedingt in der Musik zum Vorschein kam. Wenn es ans Musikmachen geht, wird�s immer ernst.
Dein Studio ist im elften Stock eines
New Yorker Geb�udes � eine Wohnung eigentlich?
Mehr oder weniger. �ber uns ist ein echtes Tonstudio, und es ist es eine der belebtesten Stra�en von New York, also kann sich kaum wer �ber den L�rm aufregen. Wir gingen los und kauften einen Haufen Equipment. Ein paar Verst�rker, ein paar Bassgitarren, einen Haufen Effekt-Pedale. Andrew brachte seine Sachen aus Dublin r�ber, Christian stellte sein Schlagzeug auf, wir begannen zu schreiben, und bald wurde klar, dass eine Platte daraus werden w�rde.
Deine neue Single hei�t �Kingdom�, gleichzeitig kommt gerade ein Film mit demselben Titel heraus, in dem es um Islamismus geht ...
Genau. Ist es nicht witzig, wie diese Dinge oft in der Luft liegen? Im Moment haben wir es vor allem in Amerika immer mit all diesen christlichen Fundamentalisten zu tun. Und dann kommen wieder die Moslems. Und das ist gut, und das ist b�se ... Ist doch Unfug. Wir werden erzogen, in Angst zu leben. Und in Amerika macht uns die derzeitige Regierung weis, dass sie uns vor dem B�sen bewahrt. Die Idee des Songs ist, dass es einen Ort zwischen uns gibt, der immer da ist, wenn man auf der Stra�e beim Gehen einmal nach oben statt nach unten schaut. Ein eigenes Reich, wo keine Werturteile gef�llt werden. Dort hinein zu treten, hei�t die Angst hinter sich zu lassen.