|
|
| |
Band of Horses: Dein Song, mein Song
Es passiert. Nicht oft, aber doch hin und wieder. Dass die pers�nlichen Lebensumst�nde mit B�chern, Filmen, Songs korrelieren. Dann kann es vorkommen, dass man den Eindruck gewinnt, eine Person h�tte eine bestimmte Szene, einen Satz, eine Textzeile nur f�r dich geschrieben. "At every occasion I'll be ready for a funeral" kann so eine Zeile sein, eine Ansammlung von W�rtern, die � im �bertragenen Sinne oder auch direkt � die Welt des H�rers gewaltig ersch�ttern kann. Dass es dazu weder eine Besetzung in Gr��e eines Regiments noch besonders vorbelasteter Menschen oder gar ausgebildeter Musiker bedarf, liegt geradezu in der Natur der Sache. Egal wie: Der Song eines anderen wird dann zu deinem. Anders gesagt: Ben Bridwell hat "The Funeral" nur f�r mich verfasst.
"The Funeral" war das vierte St�ck auf dem im M�rz 2006 erschienenen Band - of - Horses-Deb�t "Everything All the Time", gleichzeitig die erste Single; ein Song, der mit einer fast zaghaft gespielten Gitarrenakkordfolge anf�ngt, auf der eine Stimme thront, die jederzeit ins Falsett kippen k�nnte. Wenig sp�ter bricht ein Sturm �ber den unvorbereiteten Rezipienten herein, an dessen Beginn oben genannte Textzeile steht. Ben Bridwell ist jener vollb�rtige, sensible Mann, dem diese eigent�mlich d�nne hohe Fistelstimme geh�rt, die von manchen Zeitgenossen schon als Mischung aus Perry Farrell und Neil Young bezeichnet worden ist, in Wahrheit aber allen �hnlichkeiten zum Trotz ziemlich einzigartig ist.
Er ist es auch, soviel ist zumindest seit dem zweiten Album "Cease to Begin" klar, der ganz alleine f�r die Band of Horses steht. Sein ehemaliger Kompagnon Matt Brooke, mit dem Bridwell (damals noch als Schlagzeuger) bereits bei den wunderbaren Carissa's Wierd t�tig war, hat sich verabschiedet, um sich seinem neuen Liebkind, den formidablen Grand Archives, widmen zu k�nnen.
Irgendwann ist Schluss mit dem Gef�hl, ein Anf�nger zu sein.
Dennoch klingt die Band of Horses nat�rlich immer noch nach � genau � der Band of Horses. Indie-Rock nordwestamerikanischer Pr�gung verkn�pft mit Country- und Folk-Elementen; besagte Stimme, die verschwommene Texte intoniert, dunkler als die Shins, weniger verspielt als Built to Spill und ohne Psychedelic-Anleihen, wie sie etwa My Morning Jacket bem�hen. Der Umzug s�mtlicher Kern-Mitglieder � neben Bridwell sind das Rob Hampton und Creighton Barrett � von Seattle, Washington, nach Mount Pleasant, South Carolina, hat daran ebenso wenig �ndern k�nnen wie diverse Familiengr�ndungen und Todesf�lle.
Dass von Stillstand dennoch nicht die Rede sein kann, versteht sich von selbst: Ausgefeilter, runder, mehr auf Details achtend ist "Cease to Begin", eine Platte, deren Inhalt sich fast durchgehend auf den Titel bezieht: Irgendwann ist Schluss mit dem Gef�hl, ein Anf�nger zu sein.
Dabei ist Ben Bridwell keineswegs mit der Gitarre in der Wiege aufgewachsen, wie es bei Songwritern gerne kolportiert wird. Er war bei Carissa's Wierd "nur" der Drummer, gr�ndete zwar, um das Material seiner damaligen Band unter die Leute zu bringen, das Label Brown Records, hatte �ber die Jahre aber nie auch nur einen einzigen Song geschrieben. Das begann erst mit der Aufl�sung des Chamber - Pop - Sextetts. Mit fr�hen Demos und Solo-Konzerten, unter anderem im Vorprogramm von Sam Beam alias Iron & Wine, gab Bridwell ein Versprechen ab, dass er mit seinem Deb�t und nun auch der neuen Platte mehr als nur einzul�sen bereit war.
Fern aller �Emo�-Klischees ist die Musik der Band of Horses eine, die beim Publikum Emotionen freisetzt, Verletzlichkeit und St�rke vereint und gleichzeitig angenehm unpr�tenti�s daherkommt. Musik eben, die nur f�r dich geschrieben worden ist.